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OLG prüft Chats von IS-Rückkehrern

Die in Celle angeklagten IS-Anhänger versuchten über soziale Medien, neue Mitglieder für die Terrormiliz anzuwerben. Jetzt muss das Gericht klären, ob die jungen Männer aus Begeisterung oder unter Zwang handelten.

Celle. Waren die von Wolfsburg nach Syrien ausgereisten IS-Kämpfer Feuer und Flamme für die Terrormiliz, oder verstellten sie sich zur Verdeckung ihrer Fluchtpläne? Dies will das Oberlandesgericht Celle am Montag (10.00 Uhr) mit einer Auswertung des Chatverkehrs der beiden Männer klären. Über soziale Medien versuchten die 26 und 27 Jahre alten Deutsch-Tunesier laut Anklage, aus dem Kampfgebiet heraus neue Mitglieder für den Islamischen Staat in Deutschland zu gewinnen und nach Syrien zu locken. In einem Fall soll dies auch gelungen sein.

Vor Gericht sagten die Angeklagten bisher aus, sie seien zu den Anwerbeversuchen gezwungen worden und hätten - da die Computer kontrolliert wurden - nur begeisterte Schilderungen über den IS schreiben können. Tatsächlich hätten sie zu dem Zeitpunkt nur noch an die Flucht zurück nach Wolfsburg gedacht und ihre Bewacher vom Islamischen Staat bei ihren Chats in Sicherheit wiegen wollen. Auch zu Fotos in Kampfmontur und mit Waffen vor der IS-Flagge seien sie genötigt worden. Über ein solches in sozialen Medien gepostetes Bild waren die Fahnder des niedersächsischen Landeskriminalamtes zunächst auf einen der beiden Dschihadisten aufmerksam geworden.

Die Männer sollen sich der Terrormiliz 2014 in Syrien und dem Irak angeschlossen haben. Einer soll gekämpft haben, der andere stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu verüben. Zwar hält das Gericht die zwei inzwischen für geläutert, da sie sich vom IS distanziert und die Vorwürfe im Wesentlichen gestanden haben. Die Bewertung des Chatverkehrs ist dennoch wichtig für die Strafzumessung. Aus ihr ergibt sich nicht nur, wie lange und in welchem Umfang die zwei sich mit den Zielen der Terrormiliz identifizierten. Auch die mögliche Beteiligung an Aktionen des IS, auf welche die Chats hindeuten, muss bewertet werden.

dpa


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