Navigation:
Bremen liegt vorn

Niedersachsen hinkt bei Inklusion hinterher

Sechs Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung: Die Inklusion an den Schulen in den Deutschland geht in Bremen am besten voran. Niedersachsen hinkt dagegen sogar noch dem Bundesschnitt hinterher.

Hannover. In keinem Bundesland besuchen so viele behinderte Kinder eine Regelschule wie in Bremen. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach liegt der Stadtstaat mit einem Inklusionsanteil von 68,5 Prozent im Schuljahr 2013/14 bundesweit auf dem höchsten Wert seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 und damit auch auf dem ersten Platz (2008/09: 39 Prozent). In Niedersachsen sind es dagegen nur 23,3 Prozent (2008/09: 6,6 Prozent).

Der Wert in Bremen ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt von 31,4 Prozent (2008/09: 18,4 Prozent). Einhergehend mit der steigenden Zahl an Inklusionsplätzen besuchen in beiden Ländern immer weniger Schüler eine Förderschule. Zwischen den Schuljahren 2008/09 und 2013/14 reduzierte sich in Niedersachsen die Exklusionsquote, die angibt, wie viele Schüler eine Förderschule besuchen, von 4,4 auf 4,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich auch in Bremen die Exklusionsquote deutlich verringert - von 4,6 auf 1,9 Prozent. Der Stadtstaat setzt auch damit deutschlandweit die Bestmarke (Bund: 4,7 Prozent). Gleichzeitig wird bei immer weniger Kindern ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Die Förderquote ist zwischen 2008/09 und 2013/14 von 7,5 auf 5,9 Prozent gesunken (Bund: 6,8 Prozent).

"Es gibt gegenüber den anderen Bundesländern kein Parallelsystem von Regelschule und Förderzentrum", erklärt Holger Ilgner, Sprecher des Bremer Bildungssenats auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur die guten Werte. Das Schulgesetz habe allen Schulen den Auftrag gestellt, sich zur inklusiven Schule zu entwickeln. Nach Ansicht von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ignoriere die Studie aber eine Besonderheit des niedersächsischen Inklusionskonzeptes: "In Niedersachsen wird die inklusive Schule aufsteigend eingeführt: Im Jahr 2013/2014 galt das Elternwahlrecht zunächst für die Jahrgänge 1 und 5, seitdem kommen jährlich zwei Jahrgänge dazu. Damit lag die Inklusionsquote in den betroffenen Jahrgängen schon 2013/2014 bei fast 45 Prozent." Im vergangenen Schuljahr sei die Quote sogar bereits auf rund 52 Prozent gestiegen. In den Bremer Kitas erreichen die Inklusionsanteile sogar fast 100 Prozent (Bund 67 Prozent). Auch die Inklusionsanteile, die sich im Bund zwischen Grundschulen (46,9 Prozent) und weiterführenden Schulen der Sekundarstufe (29,9) stark unterscheiden, nähern sich in Bremen auf hohem Niveau an - 68,9 Prozent in Grundschulen und 62,8 Prozent in der Sekundarstufe. Nur rund sechs Prozent der knapp 1700 Förderschüler der Sekundarstufe gehen jedoch auf ein Bremer Gymnasium (Bund: 5,6 Prozent). Inklusion findet im Bremer Sekundarbereich an den Gesamtschulen statt.

Die Chancen auf einen Hauptschulabschluss an Förderschulen sind in Niedersachsen zwar besser als im Bundesdurchschnitt, dennoch verlassen nach wie vor zwei Drittel der Schüler (66,3 Prozent) die Förderschule ohne Hauptschulabschluss (Bund: 71,3 Prozent). Dagegen beenden in Bremen acht von zehn Schülern (80,2 Prozent) die Förderschule ohne Abschluss. Diese hohe Quote lässt sich nach Angaben der Stiftung durch den geringen Anteil der Schüler erklären, die in Bremen überhaupt noch an einer Förderschule lernen. "Inklusion in Deutschland macht Fortschritte", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Insbesondere an weiterführenden Schulen und in der Ausbildung sei sie oft noch ein Fremdwort. Bei der Inklusion gleiche Deutschland daher einem Flickenteppich.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie