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In Hildesheim: Die Polizei nimmt mehreren Salafisten die Reisepässe ab, um eine mögliche Ausreise zu verhindern. Foto: Abu Ajamieh

Verfassungsschutz

Niedersachsen: Mehr Salafisten und mehr Ausreisen

Die Zahl der Salafisten geht weiter nach oben. Aktuell schätzt der Niedersächsische Verfassungsschutz, dass es 520 Anhänger dieser islamistischen Ideologie im Land gibt. Tendenz weiter steigend. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es laut Verfassungsschutzbericht noch 275.

Hannover. Regen Zulauf haben vor allem die Hochburgen Hannover, Wolfsburg/Braunschweig und Hildesheim/Göttingen mit den salafistisch dominierten Moscheen Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft Braunschweig, Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim und Deutschsprachiger Islamkreis Hannover. Kürzlich hatte der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, die aktuelle Zahl der Salafisten in Deutschland auf 8600 beziffert.

Zwischen Herbst 2015 und dem ersten Quartal 2016 sind dem Niedersächsischen Verfassungsschutz weitere Personen bekannt geworden, die nach Syrien und in den Irak gegangen sind, um sich dort offenbar Terrorgruppen anzuschließen. Es gibt bislang rund 75 Ausreisen – etwa zehn mehr als vor einem halben Jahr. Die Hälfte stammt aus Hildesheim, der Rest aus Hannover und dem Raum Wolfsburg/Braunschweig. Insgesamt etwa 25 Personen sind inzwischen aus dem Kriegsgebiet nach Niedersachsen zurückgekehrt.

In Hildesheim sollten jetzt auch zwei Männern und zwei Frauen die Pässe entzogen werden. Das Landeskriminalamt (LKA) hatte Hinweise darauf, dass die beiden Paare, die nach islamischem Recht verheiratet sind, nach Syrien/Irak ausreisen wollen, um sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Es handelt sich bei den Personen um einen Mann, der die deutsche und die libanesische Staatsbürgerschaft besitzt, um eine deutsche Frau sowie um eine Libanesin und einen Deutschen. Während ein Paar seine Dokumente freiwillig bei der Ordnungsbehörde in Hildesheim abgab, ließ das LKA am Donnerstag drei Wohnungen durchsuchen, um die Papiere des anderen Paares sicherzustellen. Die Ermittler hatten sich zuvor einen richterlichen Beschluss geholt.

Zwei Pässe wurden bei den Razzien sichergestellt. Die beschlagnahmten Dokumente werden so lange einbehalten, wie die Verbotsverfügung gilt. „In der Regel sechs bis zwölf Monate“, so LKA-Sprecher Frank Federau.

Die beiden Paare sollen zum 
Umfeld der Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim gehören, der vom Niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet wird. Hildesheim gilt schon lange als Salafisten-Zentrum. Die Hochburg soll in den vergangenen Monaten allerdings noch mehr Zulauf haben als bislang. Nach einer Ausreisewelle junger Männer aus Wolfsburg nach Syrien und in den Irak (NP berichtete) werden die Extremisten in der VW-Stadt von Sicherheitsbehörden verstärkt unter die Lupe genommen. Das hat nach Informationen der NP dazu geführt, dass mehrere Salafisten sich von Wolfsburg in Richtung Hildesheim orientierten – manche sollen sogar ihren Wohnsitz dorthin verlegt haben.

Britta Mahrholz


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