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Landwirtschaft

Niedersachsen: Giftmais für Milchkühe

Genüsslich fressen Rosalie, Loretta und Mike ihr Futter aus Grass-Silage, Stroh und Kraftfutter. Zweimal täglich werden die 95 Kuhdamen im Stall von Katrin Carl in Mesmerode bei Wunstorf gemolken. Frische Milch von glücklichen Kühen, die innerhalb von 48 Stunden gekühlt in die Molkerei geliefert wird. Das ist die tägliche Arbeit und Lebensgrundlage der 29-jährigen Landwirtin. Für andere Betriebe in Niedersachsen können die nächsten Tage jedoch riesige finanzielle Verluste bedeuten. Das Landwirtschaftsministerium gab gestern bekannt, dass mit Schimmelpilz verseuchter Mais in die Futtermittelverarbeitung gelangt ist.

Mesmerode.  45 000 Tonnen seien aus Serbien importiert worden – 10 000 Tonnen davon gelangten zu 13 Herstellern und wurden als Futter für Kühe, Schweine und Geflügel verkauft. Laut „Spiegel Online“ hat die Firma „Alfred C. Toepfer International“ (Hamburg) die Ware verschifft.

„Ich war geschockt, als ich das heute Morgen gehört habe“, sagt Carl, „ich habe sofort bei meinem Kraftfutter-Lieferanten in Nienburg angerufen, um mich zu vergewissern, dass alles okay ist.“ Der konnte gottlob Entwarnung geben – ausschließlich Mais aus Deutschland wurde im vergangenen Monat für sie verarbeitet.

Zwar decke eine Kuh nur zwei Prozent ihres täglichen Bedarfs von 50 Kilogramm durch Kraftfutter, aber trotzdem seien dort 30 Prozent Mais verarbeitet: „Da kann man sich vorstellen, wie schnell diese schädlichen 10 000 Tonnen weggefressen sind.“

An 3560 Betriebe in Niedersachsen und in sechs weiteren Bundesländern wurde das krebserregende Futter geliefert. „Zwar ist es im Fleisch und in Eiern nicht für den Menschen gefährlich, es kann sich allerdings in der Rohmilch absetzen“, ließ Staatssekretär Udo Paschedag gestern verlauten. Das im serbischen Mais enthaltene Schimmelpilzgift Aflatoxin B 1 gilt als einer der krebserregendsten Stoffe in der Natur.

Aufgefallen war ein hoher Wert am 5. Februar in der Milch von einem Hof in Leer. Danach haben die Behörden nach eigenen Angaben noch 14 Tage gebraucht, die Schiffsladung zu recherchieren. Bekannt ist, dass bisher 938 Milchbetriebe in Niedersachsen mit dem Futter, das den Grenzwert um das 30fache überschritt, beliefert wurden. Für den Verbraucher sieht das Landwirtschaftsministerium trotzdem noch keine gesundheitliche Gefährdung: In einer Molkerei werde die Milch von mehreren Höfen miteinander vermischt und regelmäßig kontrolliert.

Trotzdem ist Katrin Carl dankbar für die schnelle Reaktion des Landwirtschaftsministeriums, betroffene Höfe vorsorglich zu schließen. Denn sie ist sich ihrer Verantwortung dem Verbraucher gegenüber bewusst: „Wir stellen ein wertvolles Lebensmittel her.“ Daher lässt sie ihr selbstangebautes Grundfutter, das den Großteil der Nahrung ihrer Kühe ausmacht, regelmäßig in einem Labor testen.

In der achten Generation sind die Kühe auf dem Hof schon das Kapital der Familie – 800 000 Kilogramm Milch liefern Rosalie und Co. jährlich. Umso mehr kann Carl die Sorgen der betroffenen Höfe verstehen: „Wenn die Milch einfach entsorgt werden muss, dann sind das natürlich große Verluste. Das ist unsere Existenz. Die ganze Sache ist einfach erschreckend.“ Die Agrarbranche hat keine Atempause. „Der Verbraucher kann ja nur denken ,Ich kann nicht mehr‘“, versteht Carl den Trubel. Glücklich ist sie dennoch, dass ihre 95 Kühe weiter fressen und gesunde Milch produzieren können.


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