Navigation:
LEERE TÖPFE: Henning Peters (53) und seiner Kuh bleibt nicht viel.Von der Politik fühlt er sich nicht unterstützt. Mit den neuen Umweltauflagen 2017 wird er seinen Hof an ein Großunternehmenverpachten müssen. Foto: Sielski

LEERE TÖPFE: Henning Peters (53) und seiner Kuh bleibt nicht viel. Von der Politik fühlt er sich nicht unterstützt. Mit den neuen Umweltauflagen 2017 wird er seinen Hof an ein Großunternehmen verpachten müssen.© sp / Sielski

Milchpreis

Niedersachsen: Die Milchbauern werden sauer

Anfang der Woche senkten die Discounter Aldi und Norma den Milchpreis um 13 Cent pro Liter. Die Milchbauern müssen das jetzt schultern - und können es nicht. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sieht viele Milchbauern „in den Ruin“getrieben. Die Abwärtsspirale besteht aber aus mehr als nur dem Milchpreis. Auch neue Umweltauflagen und die Konkurrenz aus dem Ausland machen den Milcherzeugern das Überleben schwer..

Hannover/Sehnde. Die Kälber von Henning Peters sonnen sich auf dem Hof in Sehnde in aller Seelenruhe. Sie strahlen eine Ruhe und Gelassenheit aus, die man sich bei der Diskussion um die Preise, die ihre Milch wert ist, auch wünscht. Über einen gemeinsamen Konsens sind die Verhandlungen allerdings lange hinaus.

„Davon können wir schlichtweg nicht leben“, ärgert sich der Milchbauer aus Sehnde. Letzten Montag hatten gleich mehrere Lebenmittelhändler die Preise für frische Vollmilch gesenkt.

„Das ist nur ein Teil des Problems“, erklärt Peters. „Die Discounter können sich das ohne Probleme leisten. Die Menschen gehen immer dahin, wo Grundnahrungsmittel am günstigsten sind und kaufen dann dort gleich auch alle anderen Produkte. Aber das spiegelt sich nicht, in dem wieder was wir verdienen. Wir haben Gewinnspannen von drei bis fünf Cent pro Liter Milch. Davon bleibt nichts übrig, wenn der Preis einfach um 13 Cent gesenkt wird.“ Der Milchbauer ist sichtlich verärgert über die Entwicklung. Er hat einen Mischhof, auf dem er noch Ackerbau betreibt. Der rettet ihn jetzt noch über die 5000 Euro Minus, die er im Monat mit dem Milchgeschäft macht. Mindestens einen seiner beiden Angestellten muss er deswegen entlassen. Vielleicht sogar beide. Die restlichen Mitarbeiter gehören zur Familie. „Dann müssen wir als Familie unsere Ansprüche stark runterschrauben, um weitermachen zu können“, erzählt seine Frau Cornelia.

Die Preissenkung durch die Discounter wurde mit dem derzeitigen Überangebot von Rohmilch auf dem Weltmarkt begründet. „Natürlich gibt es ein Überangebot, seitdem der chinesische und der russische Markt weggebrochen sind. Vor eineinhalb Jahren hat man uns gesagt, dass die Wirtschaft in Zukunft mehr Milch abnehmen könne. Also haben wir mehr produziert.“ Die Molkereien kaufen den Bauern die Rohmilch ab und vertreiben die Produkte dann an die Lebensmittelgeschäfte. So geben sie die Preissenkung umgekehrt auch an die Landwirte weiter. Derzeit bekommt der Hof 26 Cent pro Liter Milch. 35 bräuchte er eigentlich, um kostendeckend zu arbeiten und demnächst wird er dann auf 20 bis 18 Cent fallen.

Bei den Verhandlungen um neue Auflagen und Preise sei kein einziger Vertreter der Landwirtschaft mit Stimmrecht dabei gewesen. Nur als Zuhörer war einer erlaubt.

„Da wird an Schreibtischen über unsere Zukunft verhandelt und wir sind nicht mal dabei“, meint der 53-Jährige.

Als Lösung könne er sich eine flexible Quote vorstellen, die sich reagional und saisonal anpassen lässt. An den Markt und an die Gegebenheit. „Es gibt doch auch einen Mindestlohn. Warum gibt es keinen Mindestpreis für unsere Arbeit?“

In einem Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wird eine solche Quote als unwirtschaftlich bezeichnet. „Die Bundesregierung setzt stattdessen auf die Liberalisierung des Marktes zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“, steht in dem Brief.

Er wisse schon was das heißt, betont Peters. „Die ganzen Kleinst- und Familienbetriebe werden demnächst alle aufgeben müssen und ihre Höfe werden von den Großproduzenten geschluckt. Dann sind wir alle nur noch Angestellte und wenn das Modell nicht mehr rentabel ist, machen die uns dicht.“ Ein bisschen sieht er die Schuld aber auch bei den Landwirten: „Wir haben es vielleicht auch versäumt den Vebraucher abzuholen und auf die Situation aufmerksam machen. Jetzt ist es möglicherweise für ein Umdenken schon zu spät.“ Was dann mit den sich sonnenden Tieren draußen im Hof passiert, weiß er nicht genau. Es könnte sein, dass ihre Ruhe dann ein Ende hat.

von Jan Heemann


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie