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© Jens Wolf

Niedersachsen

Das Abi und die Gerechtigkeit

Lassen sich die Abiturnoten von Niedersachsen und Thüringen miteinander vergleichen? Die Durchschnittswerte klaffen weit auseinander, was kaum an den 
Schülern liegen dürfte. Bei der Bewerbung um zulassungsbeschränkte Studienplätze ergibt sich aber ein Nachteil für niedersächsische Abiturienten. Bildungsexperten
 rügen diese Ungerechtigkeit. Der Philologenverband fordert einheitliche Maßstäbe. Doch wäre ein Zentral-Abi wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Hannover. Niedersachsen ist bei den Abitur-Noten einmal mehr Schlusslicht im Länder-Ranking – auch wenn sich der Notendurchschnitt um 0,1 Prozentpunkte auf 2,58 verbessert hat. Der Abstand zu Spitzenreiter Thüringen mit 2,18 aber ist groß. Was auch mit dem Anteil der Einser-Absolventen zusammenhängt, der in Thüringen bei 40 und in Niedersachsen unter 20 Prozent liegt.

Für niedersächsische Abiturienten bedeutet das vor allem: Sie haben Nachteile bei der Vergabe von zulassungsbeschränkten Studienplätzen. Doch ist der Notenvergleich tatsächlich aussagekräftig? Bildungsexperten haben daran ihre Zweifel. Der Philologenverband fordert die Bundesländer angesichts der auseinanderklaffenden Ergebnisse zu verstärkten Reformen auf.

„Wenn es den Numerus clausus für viele begehrte Studienfächer nicht gäbe, wäre das auch kein großes Problem“, sagte der Bundesvorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, „aber bei der Vergabe der Studienplätze wird eben nicht unterschieden, ob eine Abi-Note aus Niedersachsen stammt oder aus Thüringen.“ Die Länder müssten den Wert des Abiturs angleichen.

Für Meidinger ist jede Maßnahme für mehr Einheitlichkeit bei den Prüfungen sinnvoll. Daher begrüßt er auch den für das Abi 2017 geplanten bundesweit gemeinsamen Aufgabenpool in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch, obwohl ihm das nicht weit genug geht: „Das darf nicht nur ein Feigenblatt sein. Wenn man sich die rechnerische Bedeutung dieses gemeinsamen Prüfungsteils anschaut, dann ist die nur minimal. Es geht hier am Ende vielleicht um fünf Prozent Anteil am Abi. Das muss ausgebaut werden.“

Betrachtet man nur die Entwicklung der Notendurchschnitte, so ist die Tendenz eindeutig positiv. Immerhin haben sich die Zahlen in den vergangenen 15 Jahren in zumindest zwölf der 16 Bundesländer kontinuierlich verbessert. Doch der Chef der Gymnasial-
 lehrergewerkschaft glaubt nicht, dass die Schüler dort immer klüger werden. Er sieht den Grund dafür eher in einer Art politischer Trickserei.

Durch Entscheidungen in den Kultusministerien seien mündliche Noten aufgewertet worden, Notenberechnungs- und Prüfungssysteme seien aufgeweicht worden. Wenn mehr Qualität in der Schule mit schlechteren Noten verbunden wäre, bekämen Bildungsminister immer Probleme mit den Eltern, so Meidinger.

„Es hat sich so eine Art Wettlauf der Bundesländer etabliert um die besten Noten, und der muss irgendwie gestoppt werden. Man sollte die Abitursysteme angleichen, aber dazu fehlt offenbar der politische Wille“, erklärte der Verbandschef. Zumal als erschwerendes Problem hinzukomme, dass es kaum möglich sei, einen bundesweit gemeinsamen Abiturtermin zu finden, was auch mit dem jeweils unterschiedlichen Ferienbeginn in den einzelnen Ländern zusammenhänge: „Aber eine zentrale Lösung wie in Frankreich will die Tourismusindustrie nicht.“

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Claudia Bogedan, mahnt, die Länder erst mal Erfahrungen mit dem gemeinsamen Aufgabenpool ab 2017 machen zu lassen. „Dann sehen wir, ob wir noch weiter gehen können. Aber ich habe derzeit nicht die Fantasie, mir das eine Abitur oder die eine Aufgabe vorzustellen, die alle Schüler in Deutschland am gleichen Tag lösen müssen.“


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