Navigation:
Bildung

Negativer Spitzenplatz für Niedersachsen bei Bildungsstudie

In keinem anderen Bundesland ist das Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abstieg in eine höhere beziehungsweise niedrigere Schulform so ausgeprägt wie in Niedersachsen.

Hannover. "Zwischen Klasse fünf und Klasse zehn kommen auf einen Schulaufsteiger zehn Absteiger", heißt es in einer am Dienstag präsentierten Studie der Bertelsmann Stiftung. Während Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vor vorschnellen Schlüssen warnte, forderte die oppositionelle SPD für die Schulpolitik eine "Kultur der Durchlässigkeit und der individuellen Förderung".

Insgesamt sind nach der Studie 4825 Schüler im Schuljahr 2010/2011 allein an den Gymnasien auf eine niedrigere Schulform abgestiegen. In der gesamten Sekundarstufe I waren es 12 300 Schulform-Wechsler. Mit 2,6 Prozent aller Schüler zwischen der fünften und zehnten Klasse liegt der Anteil in Niedersachsen über dem Bundesdurchschnitt (2,2). Umgekehrt stiegen nur 941 Schülern in die nächst höhere Schulform auf. 521 von ihnen schafften den Sprung von der Haupt- auf die Realschule, 445 von der Realschule aufs Gymnasium, nur 7 wechselten direkt von der Hauptschule aufs Gymnasium, heißt es in der Studie.

Kultusminister Althusmann betonte, ein Schulformwechsel sei keine endgültige Entscheidung für eine Bildungslaufbahn. "Den Wechsel auf eine andere Schulform als das Gymnasium als "Bildungs-Abstieg" zu bezeichnen, halte ich für fragwürdig", stellte er fest. Der Weg zum Abitur bleibe auch an Real-, Ober- und Hauptschulen offen. Zudem sei die Quote der Schüler mit Hochschulzugangsberechtigung von 40,4 Prozent im Jahr 2003 auf 47,3 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

Die SPD sprach von einem beschämenden Ergebnis. "So verlieren die Gymnasien im Verlauf der Sekundarstufe I etwa 15 Prozent ihrer Schülerschaft. Die Schülerschaft an Hauptschulen vergrößert sich umgekehrt um etwa 42 Prozent", erklärte die SPD-Bildungspolitikerin Frauke Heiligenstadt. Forderungen nach einer strikteren Trennung und höheren Zugangshürden wären aber die falschen Schlüsse. Notwendig seien Orientierungshilfen, individuelle Förderung und eine Stärkung des Elternwillens. Die Grünen bemängelten, dass die Schulpolitik der Landesregierung auf Auslese angelegt sei und forderten, das Sitzenbleiben abzuschaffen.

Die Hauptschulen, für die sich in Niedersachsen nur noch elf Prozent der Grundschüler entscheiden, werden nach der Studie zunehmend zur "Restschule". "Jeder dritte Hauptschüler kommt erst im Laufe der Sekundarstufe I auf diese Schulform, in der Regel nach einer Erfahrung schulischen Misserfolgs", kritisieren die Autoren der Studie, die von der Bildungsforscherin der Ruhr-Universität Bochum, Gabriele Bellenberg, für die Stiftung erstellt wurde.

Sie analysierte und verglich alle 16 deutschen Schulsysteme und belegte dabei einen klaren Trend zur Zweigliedrigkeit. Die Studie kommt daher zu dem Schluss: Die Schulstruktur ist nicht mehr der allein entscheidende Faktor für mehr Chancengleichheit. Trotz aller bundesweiten Schulreformen erhöht sich die Übersichtlichkeit nicht: "Die Studie zählt allein für die Sekundarstufe I mittlerweile 22 verschiedene Schulformen - mit dem Gymnasium als einziger Schulform, die sich in jedem Bundesland findet."

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie