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Der Angeklagten kommt ins Landgericht.

Der Angeklagten kommt ins Landgericht. © Julian Stratenschulte/Archiv

Prozesse

Mutmaßlicher Brandsatz-Werfer trägt Tattoos mit SS-Emblemen

Aus Fremdenhass sollen zwei Männer und eine Frau einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf verübt haben. Im Prozess gegen das Trio haben Polizisten nun weitere Details berichtet. Gescheitert ist ein Antrag der Verteidigung, das Verfahren auszusetzen.

Hannover (dpa/lni)  - Im Prozess um den Brandanschlag von Salzhemmendorf sind weitere Details aus der Tatnacht und über den 31-jährigen mutmaßlichen Haupttäter bekannt geworden. Am dritten Verhandlungstag beschrieb ein Ermittlungsbeamter vom Staatsschutz im Landgericht Hannover die Tätowierungen des Mannes, der Ende August einen Molotowcocktail in die Flüchtlingsunterkunft im Kreis Hameln geworfen haben soll. Der 31-Jährige trägt ein Wikingerschiff mit einer Odal-Rune auf der Brust sowie einen Wikinger mit einem Totenkopfring auf dem Arm.

Die Embleme seien in der Nazizeit von der SS und auch von der in den 90er Jahren verbotenen Neonazi-Organisation Wiking-Jugend benutzt worden, sagte der Polizeihauptkommissar. Fotos der Tattoos wurden erst am Donnerstag in die Prozessakten aufgenommen.

Mit dem 31-Jährigen müssen sich ein 25-Jähriger sowie eine 24 Jahre alte Frau wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes verantworten. Sie hatten zum Prozessauftakt die Tat gestanden, eine fremdenfeindliche Gesinnung aber abgestritten.

Einen Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Verfahrens lehnte das Gericht am Donnerstag ab. Dafür gebe es keinerlei Gründe, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Vier ehemalige Bewohner der betroffenen Asylbewerberunterkunft hatten am vorigen Prozesstag mitgeteilt, dass sie gegen ihren Willen zu Nebenklägern in dem Verfahren gemacht worden seien. Auswärtige Anwälte hätten im Stil eines Haustürgeschäfts gezielt Bewohner des Hauses als Mandanten angeworben, sagte einer der Verteidiger.

Hauptauslöser für die Tat war nach Darstellung der drei Angeklagten zu viel Alkohol. Die beiden Männer bastelten einen Molotowcocktail, die nüchterne 24-Jährige fuhr das Auto zum Tatort. Der 31-Jährige schleuderte den Brandsatz in die Wohnung einer Familie aus Simbabwe. Niemand wurde verletzt, weil der elfjährige Sohn in der Tatnacht ausnahmsweise im Zimmer seiner Mutter geschlafen hatte.

Die Männer wurden bereits am nächsten Tag festgenommen. Der 31-Jährige habe sich in seiner Vernehmung vor allem selbst bedauert, berichtete der Polizist als Zeuge. Immer wieder habe er sich darauf berufen, "total stramm" gewesen zu sein. Nach der Tat ließ er aber noch den Hund raus, putzte sich die Zähne und erschien am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder an seinem Arbeitsplatz.

Der 25-Jährige, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, hatte sich vor dem Anschlag sogar nach Hause fahren lassen, um seinen Pieper zu holen. Sein Vater könne das Alarmierungsgerät nicht ausstellen und die kleinen Geschwister hätten geweckt werden können, gab der junge Mann nach seiner Festnahme an, wie ein anderer Polizist berichtete.

Als das Trio nach der Tat flüchtete, kam das Signal der Freiwilligen Feuerwehr. Der 25-Jährige half dann bei den Löscharbeiten. "Mein Eindruck bestand, dass er leicht zu beeinflussen ist", sagte der Ermittlungsbeamte. "Eher der typische Mitläufer als selbst Agitator."

Ursprünglich sollte bereits in einer Woche am 26. Februar das Urteil fallen. Jetzt sind zwei weitere Verhandlungstermine angesetzt, so dass voraussichtlich am 29. Februar die Plädoyers gehalten werden und am 4. März das Urteil fällt.

dpa


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