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Ein Polizeifahrzeug hält.

Ein Polizeifahrzeug hält. © Bernd Settnik/Archiv

Kriminalität

Mörder aus niedersächsischem Maßregelvollzug entkommen

In Niedersachsen ist ein verurteilter Mörder aus dem Maßregelvollzug entkommen. Nach einer Reihe ähnlicher Pannen steht das Sozialministerium in Hannover nun im Fokus der Kritik.

Moringen. Ein verurteilter Mörder hat in Northeim einen unbegleiteten Ausgang zur Flucht aus dem Maßregelvollzug genutzt. Als der 39-Jährige am Dienstag während einer Therapiesitzung in das Landeskrankenhaus Moringen zurückgeholt werden sollte, konnte er seinen Betreuern entkommen. Die genauen Umstände der Flucht werden derzeit geklärt, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums am Mittwoch. Eine akute Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe nicht.

Nach mehreren ähnlichen Vorfällen steht der Maßregelvollzug in Niedersachsen derzeit im Fokus der Kritik. Dort werden psychisch kranke oder suchtkranke Menschen untergebracht, die schwere Straftaten verübten, vom Gericht aber nicht als voll schuldfähig eingestuft werden und deswegen in Therapie sollen.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, der nun geflüchtete 39-Jährige habe sich einen Tag lang für eine ambulante Therapie im benachbarten Northeim aufhalten sollen. Weil eine Mitpatientin bei der Einrichtungsleitung in Moringen schwere Vorwürfe gegen ihn erhob, sollte der Mann aber früher als eigentlich geplant zurückgeholt werden. Die Frau fühlte sich unter Druck gesetzt, weil der 39-Jährige von ihr verlangt habe, Drogen in das Landeskrankenhaus einzuschmuggeln. Mit diesen Vorwürfen wollte ihn die Leitung konfrontieren. Doch der Mann konnte auf dem Weg zum Auto den Betreuern entkommen, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

Der 39-Jährige war im Jahr 1998 wegen eines Mordes im Drogenmilieu in Bremen verurteilt worden. Nach einer Gefängnisstrafe war er wegen psychischer Krankheit zunächst in den Bremer Maßregelvollzug eingewiesen worden. Im Sommer 2015 wurde der Mann schließlich nach Moringen überstellt, weil es während seiner Zeit in Bremen immer wieder Rückfälle in die Drogenabhängigkeit gegeben haben soll.

"Von der Überstellung nach Moringen versprachen sich die Ärzte einen Neustart mit mehr Aussichten auf Erfolg", sagte Ministeriumssprecher Uwe Hildebrandt. Gewalttätig sei der Mann während seiner Zeit im Vollzug allerdings nicht geworden. Daher seien ihm Lockerungen in Form des unbegleiteten Ausgangs gewährt worden.

Das niedersächsische Sozialministerium steht derzeit wegen mehrerer Vorfälle im Maßregelvollzug in der Kritik. Erst vor rund einer Woche hatte ein Straftäter aus dem niedersächsischen Vollzug eine 73-jährige Frau in ihrer Wohnung ausgeraubt und mit Messerstichen schwer verletzt. Im April war zudem bekannt geworden, dass ein Patient des Maßregelvollzugs im Herbst vergangenen Jahres eine 23 Jahre alte Frau während eines unbegleiteten Ausgangs ermordet haben soll. Wegen Ermittlungspannen waren die Behörden erst Monate später durch DNA-Spuren auf den Mann aufmerksam geworden.

Im Landtag war deshalb eine Sondersitzung des Sozialausschusses einberufen worden. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) kündigte danach an, die Lockerungsmechanismen im Maßregelvollzug überprüfen zu wollen.

Am Mittwoch bekräftigte ihr Sprecher das Vorhaben: "Die Einrichtungsleitungen werden jetzt in Abstimmung mit uns ein entsprechendes Konzept erstellen." Ziel sei es, dass zukünftig mehr Experten an der Entscheidung über Lockerungen beteiligt werden.

dpa


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