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Konjunktur

Metallarbeitgeber: Nationalismus gefährdet Arbeitsplätze

Handwerk und Dienstleistungsunternehmen in Niedersachsen schauen optimistisch in die Zukunft. Die Firmen in der Metall- und Elektroindustrie sind dagegen weniger zuversichtlich. Und ihr Verbandschef warnt: Nationalismus kann Jobs gefährden.

Hannover. Niedersachsens Metallarbeitgeber haben vor den negativen Folgen von Nationalismus für die Wirtschaft gewarnt. Bei der Vorstellung der Herbst-Konjunkturprognose warnte der Verband NiedersachsenMetall, Großbritanniens geplanter EU-Ausstieg und weitere nationalistische Tendenzen in Europa gefährdeten Arbeitsplätze.

"Es werden als erstes diejenigen Arbeitnehmer in der Industrie betroffen sein, die den einfachen Forderungen populistischer Parteien nach Abschottung erlegen sind: Das sind Hilfsarbeiter, niedrig Qualifizierte und angelernte Arbeitskräfte", sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. "Für Wachstum und Beschäftigung ist der um sich greifende Nationalismus in Europa Gift."

Die Türkei habe aus Sicht vieler Betriebe die Hoffnungen als neuer Wachstumsbringer am Rande Europas nicht erfüllt. Fast neun von zehn Betrieben beklagten, es gebe keine Rechts- und Planungssicherheit für Investitionen mehr. Das ziehe etwa Probleme für Lkw- und Aufbautenhersteller und den Maschinenbau nach sich. Auch in Polen gebe es Schwierigkeiten durch zunehmende Hürden aller Art.

Die Aussichten für 2017 beurteilt der Verband daher zurückhaltend, für die Prognose wurden 940 Betriebe aus der Metall- und Elektro-, der Autozuliefer-, Kunststoff- und Kautschukindustrie sowie aus dem Dienstleistungsbereich befragt.

Angesichts einer von vielen Unsicherheiten geprägten Konjunktur erwarten nur 10 Prozent der befragten Betriebe im kommenden Jahr bessere Geschäfte auf den Exportmärkten - die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie hängt zu über 80 Prozent vom Export ab. Stabilitätsanker dürften 2017 voraussichtlich nur die USA und der Euro-Raum sein. Schmidt: "Bei China wissen wir im Augenblick zu wenig, um eine belastbare Aussage zu machen."

Insgesamt betrachtet sind die Erwartungen der niedersächsischen Betriebe für 2017 gespalten: "Der Aufschwung bleibt vom Konsum getragen", sagte Metallarbeitgeberchef Volker Schmidt. Dementsprechend sind vor allem die Dienstleister optimistisch: Immerhin ein knappes Drittel der befragten Dienstleistungsfirmen erwartet einen weiteren Zuwachs bei den Auftragseingängen.

Diesen Optimismus teilt auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern in Niedersachsen, Michael Koch. Bei einer Konjunkturumfrage im Handwerk, an der sich über 1000 Unternehmen aus ganz Niedersachsen beteiligten, bewerteten 92 Prozent der Betriebe im Handwerk ihre Lage mit "gut" oder "befriedigend". "Eine so gute Einstufung der wirtschaftlichen Lage hat es im Handwerk seit Beginn der landesweiten Konjunkturberichterstattung Mitte der Neunziger Jahre, das heißt seit über 20 Jahren, nicht gegeben", sagte Koch.

Metallarbeitgeberchef Schmidt warnte vor einem Investitionsstau bei vielen heimischen Unternehmen: "Am Horizont zeichnet sich bereits eine deutliche Überalterung unseres Maschinen- und Anlagenparks ab, weil über Jahre hinweg zu wenig in die Modernisierung des Anlagevermögens am Standort Deutschland investiert wurde."

Sorge bereite vielen Unternehmen zudem die Nachwuchsförderung. Die Berufsschulen müssten für die duale Ausbildung besser ausgestattet werden. "Es gibt hier weder die modernen Maschinen, an denen der Nachwuchs die Zukunft der Arbeitswelt 4.0 kennenlernen kann, noch gibt es bereits heute die erforderliche Zahl von Berufsschullehrern."

dpa


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