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Bildungspolitik

Liberale wollen Niedersachsenschulen einführen

Gymnasien, Haupt-, Real- und Gesamtschulen: Die Schullandschaft in Niedersachsen hat viele Gesichter. Die FDP will die Debatte über das Bildungssystem jetzt mit einer grundlegenden Reform beenden. Neben Gymnasien soll es künftig nur noch „Niedersachsenschulen“ geben.

Die FDP will die Bildungsdebatte in Niedersachsen mit einer grundlegenden Reform des Schulsystems beenden. „Ziel ist es, das Gymnasium als erfolgreiche Schulform zu stärken“, sagte am Dienstag Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Landtag. Das Konzept sieht ein Zwei-Säulen-Modell bei weiterführenden Schulen vor, bestehend aus sogenannten Niedersachsen-Schulen und Gymnasien. Grüne, SPD und GEW kritisierten das Modell als unzulänglich. Der Philologenverband begrüßte dagegen die Pläne.

Bereits vorhandene Gesamt-, Real- und Hauptschulen sollen weiterbestehen dürfen, wenn die Kommunen dies wünschen. Auch an der Struktur der Grundschulen soll sich nichts ändern. Auf diese Weise will die FDP Probleme in den Regionen auffangen, wo Schulen wegen sinkender Schülerzahlen kaum noch die vorgeschriebene Klassenstärken erreichen können. „Wir erwarten in einigen Regionen einen Schülerrückgang von bis zu 40 Prozent“, sagte Björn Försterling, der bildungspolitische Sprecher der FDP.

Grundsätzlich sieht der FDP-Vorschlag für die Niedersachsenschule eine Einteilung der Schüler in drei Bildungsniveaus vor. Die Mädchen und Jungen in den sogenannten grundlegenden und ergänzenden Niveaus sollen die Schule nach der 10. Klasse wenigstens mit dem Sekundarabschluss I verlassen. Bei entsprechender Eignung besteht für die Schüler aber auch die Möglichkeit, anschließend in ein Gymnasium oder Berufsgymnasium zu wechseln, um hier das Abitur nach 13 Jahren zu erreichen. Zudem sollen die Niedersachsenschule für leistungsstarke Kinder auch ein „zusätzliches Niveau“ anbieten, welches ihnen das Abitur nach 12 Jahren ermöglicht.

In der neuen Schulform sollen die Kinder nach einem ersten gemeinsamen Unterrichtsjahr bereits ab der 6. Klasse je nach Niveau zunächst in den Kernfächern Mathe, Englisch, Deutsch und der zweiten Fremdsprache getrennt unterrichtet werden. „Im Vergleich zur integrierten Gesamtschule setzt die Niedersachsenschule stärker und früher auf Fachleistungsdifferenzierungen“, betonte Försterling.

Ab Klasse 7 solle der Unterricht dann in allen Fächern getrennt ablaufen. So erhofft sich die FDP gezielte Vorbereitungsmöglichkeiten für die anvisierten Abschlüsse. An den Gymnasien soll am Abitur nach 12 Jahren festgehalten werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das FDP-Modell als „pädagogische Steinzeit, weil es rigide die Einteilung in Begabungsklassen vorsieht“, sagte GEW-Landeschef Eberhard Brandt. Den Schülern würde hier sogar die Möglichkeit genommen, je nach Begabung in einem Fach im Gymnasialkurs und in einem anderen Fach im Realschulkurs unterrichtet zu werden. „Es ist zudem völlig unerfindlich, wie genügend Schüler für die Klassen gefunden werden sollen“, betonte Brandt.

Auch SPD und Grüne im Landtag stehen dem Konzept kritisch gegenüber. Es sei zwar zu begrüßen, dass die FDP „endlich“ vom dreigliedrigen Schulsystem abrücke. Eine Alternative zur von den Grünen geforderten gemeinsamen Schule sei das Modell aber nicht. „Es ist zu erwarten, dass in einem Schulsystem, in dem vor allem das Gymnasium gestärkt werden soll, auch die von der FDP vorgeschlagene Niedersachsenschule schnell zu einer Restschule werden würde“, kritisierten die Grünen. Statt einer Diskussion über eine neue Schulform werde mehr Flexibilität für die regionale Gestaltung der Schullandschaften benötigt, hieß es von der SPD.

Unterstützung erhielt die FDP dagegen vom Philologenverband Niedersachsen. „Das Modell ist so schön durchdacht, es hätte glatt von uns kommen können“, sagte der Landesvorsitzende Horst Audritz. Das Konzept enthalte viele Punkte, die auch die Philologen in ihren Plänen für richtig erachten - dazu zähle etwa die Unterscheidung in verschiedene Leistungsniveaus und die verschiedenen Abschlussmöglichkeiten.

„Wir wollen den Schulfrieden in Niedersachsen und verstehen unser Modell als Diskussionsbeitrag“, betonte Dürr. Nichts sei bei diesem „Modell der Zukunft“ in Stein gemeißelt. Der Koalitionspartner CDU jedenfalls signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft: „Wir sind für jeden klugen Ratschlag dankbar und werden den Vorschlag der FDP, wie alle anderen, prüfen“, hieß es aus der Landtagsfraktion.

dpa


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