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Jetzt links: Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen ist Sigrid Leuschner zur Linken übergetreten.© dpa

SPD in Niedersachsen

Leuschner wechselt zur Linken - nur wegen Peer?

Sie war 44 Jahre in der SPD, jetzt hat Sigrid Leuschner mitten in der heißen Phase des niedersächsischen Wahlkampfs ihren Austritt verkündet. "Ich bin bei der SPD ausgetreten und bei der Partei Die Linke eingetreten", sagte Leuschner der Nachrichtenagentur dapd am Montagabend.

Hannover. Sie kehre der Partei vor allem wegen der umstrittenen Aussagen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück den Rücken, sagte Leuschner am Dienstag. "Die Aussage, dass das aus Rache und persönlichen Motiven stattfindet, ist falsch", sagte sie weiter.

Sie sei kein Racheengel, betonte die Chefin der Verbraucherzentrale Niedersachsen mit Blick auf eine Äußerung von Niedersachsens SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil. Der hatte ihr zuvor mangelndes Demokratieverständnis vorgehalten und Rachemotive unterstellt: "Rache war noch nie sympathisch", meinte er - und tat den Übertritt als kaum relevant für die Landtagswahl ab.

Leuschner konterte: Nicht die innerparteiliche Auseinandersetzung, in der sie im Frühjahr gegen die Frau von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder unterlegen war, habe sie zu dem Schritt bewogen. "Dann wäre ich gleich im März gegangen und hätte nicht meine Arbeit weiter gemacht", betonte sie. Dennoch sagte sie über die parteiinterne Abstimmung im Wahlkreis Hannover-Döhren: Man habe sie dabei "ins offene Messer laufen lassen". Nach dem Votum der fünf Ortsvereine lag sie mit 21 zu 19 Stimmen zunächst vorn - die Delegierten sind aber nicht an diese Entscheidung gebunden und gaben Leuschner am Ende nur 14 Stimmen. Nach der Niederlage war für sie ein Wiedereinzug in den Landtag nicht mehr möglich.

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Leuschner rechtfertigte ihren Parteienwechsel hingegen so: Immer mehr Bürger hätten sie in den vergangenen Wochen auf Steinbrücks Äußerungen angesprochen und damit letztlich zu dem Schritt bewogen. Seit seinen umstrittenen Aussagen, etwa zum üblichen Preis einer guten Flasche Wein, habe sie sich allerdings von ihm abgewendet. "Man macht sich nicht über arme Leute lustig", sagte Leuschner, die Steinbrück zunächst unterstützt hatte.

Auch ihre Überzeugung sei, dass man Politik für die Menschen mache, und nicht die "finanzielle Situation in den Vordergrund" gehöre.

Trotz ihres SPD-Austritts hoffe Leuschner weiter auf eine Abwahl der schwarz-gelben Regierungskoalition in Niedersachsen.

Die 61 Jahre alte Leuschner war seit 44 Jahren Mitglied der Sozialdemokraten und sitzt seit fast 19 Jahren als Abgeordnete im Landtag in Hannover. Sie habe es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht und bis kurz vor der Wahl warten wollen, um das Mandat ihrer Wähler zu erfüllen und nicht als Abgeordnete überzutreten, sagte die Politikerin. "Ich mache meine Arbeit bis zum Schluss und schmeiße nicht hin."

In Niedersachsen wird am 20. Januar ein neuer Landtag gewählt und damit auch über die Zukunft der schwarz-gelben Regierungskoalition unter Ministerpräsident David McAllister (CDU) entschieden.

dapd


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