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Prozesse

Lebenslang im Doppelmord-Prozess von Lüneburg

Seine Frau wollte ihn verlassen und zum christlichen Glauben übertreten: Deshalb soll ein Jeside in Lüneburg die 32-Jährige und ihre Freundin erstochen haben. Das Gericht hat nun die Höchststrafe verhängt.

Lüneburg. Im Prozess wegen der Ermordung von zwei Frauen in Lüneburg hat das Landgericht den angeklagten Jesiden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte am Donnerstag auch eine besondere Schwere der Schuld fest. Eine Freilassung schon nach 15 Jahren ist damit nur im Ausnahmefall möglich.

Nach Überzeugung der Kammer mordete der Mann, weil ihn seine 32 Jahre alte Frau verlassen und Christin werden wollte. Die ein Jahr ältere Freundin, Mitglied einer evangelischen Freikirche, machte er für den Schritt seiner Frau mitverantwortlich. Der Mann habe in seiner Familie über Jahre eine "Atmosphäre der Angst" geschaffen und die Frau mit dem Tod der Freundin einschüchtern wollen, sagte Richter Thomas Wolter. Der Angeklagte hatte gestanden, seine Ehefrau und deren Freundin erstochen zu haben. Er hatte aber bestritten, die Tat geplant zu haben.

Jesidentum sei Teufelsanbeterei, habe seine Frau vor der Tat gesagt. Die Gräueltaten der islamistischen Terrormiliz IS im Irak an den Jesiden seien nur möglich, weil diese Ungläubige seien. Auch die Freundin habe Jesiden als "Gottlose" bezeichnet, behauptete er. Die beiden hätten ihn dann vor die Tür setzen und ihm so auch die Kinder nehmen wollen, da sei es zu einem Handgemenge gekommen.

"Das ist Quatsch, das ist gelogen", zeigte sich dagegen Richter Wolter überzeugt. Indizien, Zeugenaussagen und eine Telefonüberwachung belegten einen ganz anderen Tatablauf. So sei die Freundin durchweg als toleranter, weltoffener und liebevoller Mensch beschrieben worden, nicht als massive Missionarin.

Der Mann habe sie nach einem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen und seine drei Kinder zum Bruder geschickt. Lange zuvor schon habe sich in ihm Wut über die emanzipatorischen Bestrebungen seiner Frau und den geplanten Glaubenswechsel angestaut, eine endgültige Trennung stand im Raum. Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen habe er dann auf die wehrlose Freundin eingestochen.

Seine Frau hatte er nach der Spurenlage zuvor im Badezimmer eingesperrt. Sie werde nach dem Tod der Freundin aus Angst bei ihm bleiben, habe er ursprünglich gehofft. Die Frau aber schrie laut und verzweifelt um Hilfe. Da habe der Mann sie mit einem anderen Messer getötet. Dann wimmelte er durch Schreie und Lärm alarmierte Nachbarn ab, wechselte die Kleidung und machte sich davon. Die Haustür war abgeschlossen, als die Polizei kam, das Telefonkabel aus der Wand gezogen. Insgesamt wurden bei den Opfern etwa 40 Messerstiche gezählt.

Erst rund drei Wochen später wurde der Mann in Hamburg verhaftet. Noch auf dem Rückweg nach Lüneburg habe er dem Polizisten gesagt, das es zwar in Ordnung gewesen sei, die Christin zu töten, aber Bedauern über den Tod der Ehefrau geäußert, sagte Richter Wolter.

"Seinen drei Kindern fehlt fortan die Mutter", sagte Wolter. Auch die beiden jungen Töchter der Freundin müssten ohne Mutter leben. "Damit haben Sie wirklich besondere Schwere der Schuld auf sich geladen", sagte Wolter zum Angeklagten, einem kleinen, bulligen Mann, der mit gesenktem Kopf dem Prozess gefolgt war. "Ich weiß nicht, wie Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren können", sagte Wolter. "Vielleicht gelingt Ihnen das in der langen Zeit, die Sie jetzt vor sich haben."

dpa


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