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Alltag in Niedersachsen: Volle Klassen an den Gymnasien.

Alltag in Niedersachsen: Volle Klassen an den Gymnasien.© dpa

Volle Klassen, verunsicherte Lehrer

Landeselternrat: Niedersachsens Gymnasien sind in Not

Gymnasien in Not: Volle Klassen, verunsicherte Lehrer, überlastete Schüler – Niedersachsens Landeselternrat zeichnet ein düsteres Bild von der Lage an den Gymnasien des Landes.

„Einige Probleme waren schon vorher da“, sagte Vorsitzender Pascal Zimmer, „aber durch die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre hat sich vieles verschärft, den Gymnasiasten vergeht so der Spaß an der Schule.“ Am Donnerstag gingen die Eltern mit ihren Sorgen an die Öffentlichkeit – gut eine Woche, nachdem Kultusminister Bernd Altusmann zum Start ins neue Schuljahr eine gute Unterrichtsversorgung und kleinere Klassen versprochen hatte. Für den Landeselternrat ist dieser Alarmruf ein ungewöhnlicher Schritt.

Die von Althusmann angeregte Verkleinerung der Klassen von derzeit 32 auf maximal 30 Schüler in der 5. und vielleicht auch 6. Klasse am Gymnasium sei ein erster Schritt, sagte Zimmer, aber längst nicht ausreichend. Der Elternrat fordert eine Obergrenze von 25 Schülern in den Jahrgängen 5 bis 10. „Für Lehrer wird es immer schwieriger, ihre Schüler überhaupt kennenzulernen“, sagte Christian Postel, zuständig für Gymnasien im Landeselternrat. Fachlehrer, die in einer Klasse nur zwei Wochenstunden unterrichteten, hätten mitunter 300 Schüler gleichzeitig. „Wie soll da ein persönliches Verhältnis entstehen?“

Die Gymnasien müssten zu echten Ganztagsschulen mit zusätzlichen Stundenzuweisungen erweitert werden, fordert der Landeselternrat. Auf Antrag sollten die Schulen auch gebundene, also verpflichtende Ganztagsschulen werden können. Unabdingbar sei dabei eine vernünftige Mittagsverpflegung, ergänzte die stellvertretende Elternratsvorsitzende Sabine Hohagen. An Tagen mit Pflichtnachmittagsunterricht dürfte es keine Hausaufgaben für den Folgetag geben. Eine freie Schülerbeförderung für alle Schüler der Sekundarstufe II ermögliche auch Eltern mit geringerem Einkommen, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken, sagte die Mutter aus dem Landkreis Aurich.

Mit Sorge betrachten die Elternvertreter die nach ihrer Ansicht viel zu überfrachteten Lehrpläne. „Grundsätzlich halten wir es für richtig, dass in den neuen Anforderungen der Schwerpunkt auf Kompetenzerwerb statt auf Wissensvermittlung gelegt wird“, sagte Postel. Aber kaum ein Pädagoge, egal welcher Fachrichtung, sei bereit, einen Themenbereich zu streichen. „Wenn im Kerncurriculum Beispielthemen vorgeschlagen werden, nehmen viele Schulen alles, aus Angst, ein Bereich könne dann im Zentralabitur geprüft werden“, sagte Zimmer. „Keiner will etwas loslassen.“

Der Elternrat macht sich für eine wissenschaftliche Überprüfung der Lehrpläne durch ein unabhängiges Institut stark. Zudem müsste das Land den Lehrern mehr gute praktische Beispiele an die Hand gegeben werden.

Saskia Döhner


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