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Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) wird vom Philologenverband plötzlich als „Handlanger der Gesamtschullobby“ beschimpft.

Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) wird vom Philologenverband plötzlich als „Handlanger der Gesamtschullobby“ beschimpft. © dpa

Schulpolitik

Kultusminister wird für Gymnasiallehrer zum Feindbild

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann war lange Zeit ein Verbündeter des Gymnasiallehrer. Jetzt aber ist der CDU-Politiker zum Feindbild geworden. Zu groß ist der Ärger über dessen Kurs in der Schulpolitik.

Die „besondere Beziehung“ war einmal. Derzeit ist das Verhältnis zwischen der CDU und dem Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt und in Niedersachsen neben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu den wichtigsten Lehrerverbänden zählt, ziemlich frostig. Verkehrte Welt: Früher wurde der Union von der Opposition vorgeworfen, in der Bildungspolitik nichts anderes als „der verlängerte Arm des Philologenverbandes zu sein“. Heute wird Kultusminister Bernd Althusmann, ein CDU-Politiker, vom Philologenverband plötzlich als „Handlanger der Gesamtschullobby“ beschimpft.

Der Zorn der Philologen richtet sich gegen die neue Oberschule, eine Idee Althusmanns, die die CDU bei einem Parteitag am Freitag fast einstimmig abgesegnet hat. Diese neue Schulform ermöglicht die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule, aber bei genügend Schülern auch die Erweiterung um einen Gymnasialzweig. Die Philologen fürchten, dass Kommunen angesichts des Bevölkerungsschwunds Gymnasien schließen und dann nur noch eine Schule für alle, nämlich die Oberschule, anbieten könnten. „Das sind keine irrealen Ängste“, betont Verbandsvorsitzender Horst Audritz. „In Hameln, Celle, Emden und Wolfenbüttel gibt es schon konkret Gymnasien, die von Schließung bedroht sind.“

Dabei hatte alles so gut angefangen. Der neue Ministerpräsident David McAllister und Kultusminister Bernd Althusmann hatten im Sommer angekündigt, eine Schulpolitik ohne Ideologie machen zu wollen. Ein Bündnis aus Parteien, Kirchen, Bildungs- und Wirtschaftsverbänden sollte sich auf einen Kompromiss einigen, der auch Regierungswechsel überdauern könnte.

Zunächst schien es, als würde auch der Philologenverband mitziehen. Dabei waren es die Gymnasialvertreter gewohnt gewesen, in der Bildungspolitik nahezu allein tonangebend zu sein, zumindest seit Christian Wulff (CDU) 2003 die sozialdemokratische Regierung abgelöst hatte. Der reformeifrige Kultusminister Bernd Busemann musste schließlich gehen, weil sein GEW-naher Kurs und die Eigenverantwortliche Schule den Philologen nicht schmeckten. Busemanns Nachfolgerin Elisabeth Heister-Neumann übernahm ihr 14-Punkte-Programm zur Sicherung der Unterrichtsversorgung im wesentlichen von einem Philologen-Papier. Länger im Amt blieb sie trotzdem nicht.

Am 26. Oktober, als der neue Kultusminister Althusmann seine Pläne zur künftigen Schulstruktur des Landes beim ersten Bildungsgipfel vorstellte, war Audritz noch voll des Lobes: „Die Oberschule müsse attraktiv ausgestattet werden und ein spezifisches Profil erhalten, was einerseits die Berufsfähigkeit verbessere, andererseits entsprechend geeigneten Schülern den Weg zum Abitur eröffne“. Zwei Tage später die Kehrtwende: „Das Konzept sei eine Kampfansage gegen das Gymnasium. Damit werde Althusmann zum Erfüllungsgehilfen der bildungspolitischen Linken.“

Für CDU und FDP war der Grund für den Kurswechsel schnell ausgemacht: Hinter allem stecke der als Scharfmacher bekannte langjährige Geschäftsführer des Philologenverbandes, Roland Neßler. „Wenn diese alten Herren, auf der rechten Seite Roland Neßler und auf der linken Seite Dieter Galas, endlich abtreten würden, wären wir in der Bildungspolitik auf einen Schlag 20 Jahre weiter“, sagt ein Insider.

Neßler selbst wehrt sich gegen die Unterstellung, die zornige Stimmung geschürt zu haben. „Die Basis ist wütend“, sagt er und weiß sich in dieser Einschätzung einig mit dem Vorstand des Philologenverbandes. Nicht umsonst hätten die rund 350 Delegierten beim Philologentag in Goslar Aktionen gegen die Oberschule gefordert. Im Regierungslager gibt man sich verständnisvoll. Man sei jederzeit zu weiteren Gesprächen bereit, beteuern Minister Althusmann und CDU-Fraktionsvorsitzender Björn Thümler.

Saskia Döhner


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