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Niedersachsen Keine Zukunft für die Schweine?
Nachrichten Niedersachsen Keine Zukunft für die Schweine?
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18:58 08.10.2018
SCHWIERIGES THEMA: Die Bundesregierung spielt bei der betäubungslosen Ferkelkastration auf Zeit. Eine zweijährige Übergangsfrist soll den Bauern erneut Zeit für Alternativen bieten. Die Landwirte sehen in der Sauenhaltung keine Zukunft mehr. Quelle: Foto: dpa
Hannover

Niedersachsen ist das Land der Schweine: 8,5 Millionen Tiere leben hier verteilt auf 5700 schweinehaltende Betriebe. Doch wie es mit ihnen weitergehen soll, ist offen. Denn die Zukunft der Schweinehaltung ist nach wie vor ungeklärt.

„Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam nach einer Antwort auf die zahlreichen drängenden Fragen suchen, um für unsere Schweinehalter einen gangbaren Weg in die Zukunft aufzuzeigen“, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Montag nach dem Branchengipfel zur Zukunft der Schweinehaltung. Rund 20 Vertreter aus Handel, Verarbeitung, Landwirtschaft, Schlachtunternehmen und Berufsstand diskutierten über die zentrale Themen der Schweinhaltung.

Ministerin begrüßt Aufschub bei betäubungsloser Ferkelkastration

Im Fokus stand dabei die Ferkelkastration. Sechs Jahre hatten Landwirte und Politiker bereits Zeit, sich auf eine Zeit ohne betäubungslose Kastration vorzubereiten. Anfang Oktober wurde nun auf Bundesebene eine Initiative angekündigt, die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung um zwei Jahre zu verlängern. Dies begrüßte die Ministerin ausdrücklich. Damit könne das eingehalten werden, was Niedersachsen im Bundestag gefordert hatte. Allerdings formulierte Otte-Kinast auch klare Forderungen in Richtung Bundesregierung. So erwarte sie, dass sie dringend handelt und die Rechtssicherheit für Landwirte wiederherstellt: „Nur so können wir erfolgreich der tiefen Verunsicherung der Landwirte begegnen.“

Zahl der Zuchtsauenhalter verringert sich weiter

Für viele bietet die Sauenhaltung nämlich schon lange keine Perspektive mehr. Laut dem Niedersächsischen Landvolk habe die Zahl der Zuchtsauenhalter, also die Betriebe, die auf die Fortpflanzung der Schweine setzen, rapide abgenommen. In der Zeit von 1999 bis 2016 hätten rund 10 000 Betriebe ihre Tätigkeit aufgegeben, aktuell gibt es in Niedersachsen nur noch 1800. Kein einheitlicher Trend in Europa: In Ungarn und Dänemark werden die Stallflächen beispielsweise vergrößert. „Viele Landwirte sehen keine wirtschaftliche Perspektive mehr“, so Sprecherin Gabi von der Brelie. Zwar wolle man den Tierschutz verbessern, wisse aber schon lange nicht mehr, in welchem Rechtsrahmen man sich bewegen könne.

„Es bedarf klarer Vorschläge zur Verbesserung durch die Bundesregierung“, lautet die Forderung des Landvolks. In Bezug auf die Ferkelkastration wolle man den dänischen Weg gehen und auf Lokalanästhesie setzen. Problem: „Die Rahmenbedingungen für die Narkosemittel sind nicht geklärt“, erklärt von der Brelie. Es genüge nämlich nicht, dass man anstelle der Ferkelkastration nur auf die Ebermast – also die Mast nicht kastrierter männlicher Schweine – setzen wolle. Dabei würden sich nämlich ganz neue Probleme auftun. Es käme zu Rangkämpfen unter den Ebern, außerdem entwickelten Männchen einen stärkeren Geruch, der von der Lebensmittelindustrie nicht gewünscht ist.

Ministerin will, dass Lebensmittelindustrie Landwirte unterstützt

Für Otte-Kinast Grund genug, auch der Forderung in Richtung Wirtschaft Nachdruck zu verleihen. „Wegdrucken und auf die Politik hoffen geht jetzt nicht mehr.“ Vielmehr müssten Verarbeitungs- und Einzelhandelsunternehmen möglichst schnell dafür sorgen, verlässliche Vermarktungswege für Schweinefleisch von nicht kastrierten Schweinen zu finden. „Wer Marktmacht hat, muss auch Marktverantwortung an den Tag legen und unsere Schweinehalter beim Ausstieg der Ferkelkastration aktiv unterstützten“, ist die Ministerin überzeugt. Dabei würde auch das Kaufverhalten der Bürger und die Entscheidung, mehr Geld für Fleisch auszugeben, eine entscheidende Rolle spielen.

Für Niedersachsen ist die Schweinehaltung ein wichtiger Zweig. 2016 lagen die Verkaufserlöse immerhin bei 24 Milliarden Euro.

Von Mandy Sarti

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