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Polizei

Kein Anstieg der Kriminalität durch Flüchtlinge

Vorurteile und Gerüchte bestimmen oft die Debatte um Flüchtlinge und Kriminalität. Gibt es rund um niedersächsische Asyleinrichtungen tatsächlich mehr Vorfälle? Eine Nachfrage. 

Braunschweig. Einige fürchten sich davor, passiert ist bislang kaum was: Ein Anstieg schwerer Straftaten vor dem Hintergrund der zunehmenden Flüchtlingszahlen ist bisher nicht zu verzeichnen. Allerdings nehmen Ladendiebstähle mancherorts zu, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Auch gibt es Polizeieinsätze wegen gewalttätiger Streitigkeiten innerhalb der Unterkünfte. Flächendeckende Erhebungen liegen bislang nicht vor.

Eine extra eingerichtete Soko in Braunschweig berichtete am Dienstag, dass es vereinzelt kriminelle Banden unter den Flüchtlingen gebe. Wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte, nahm die Zahl der Diebstähle, bei denen Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtungen in Bramsche, Friedland und Braunschweig verdächtigt wurden, im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Das gehe aus einer ersten Erhebung für den Zeitraum zwischen Jahresbeginn und dem 15. September hervor.

Allerdings gebe es schlichtweg auch mehr Flüchtlinge, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Es gebe keine "objektiv messbare, stärkere individuelle Kriminalitätsbelastung".

Bei der Erhebung wurden nur Delikte außerhalb der Einrichtungen gezählt. Die Polizei in Hannover stellt keinen signifikanten Anstieg von Straftaten im Zusammenhang mit Flüchtlingsunterkünften fest. Ladendiebstähle nähmen aber zu. Auch die Polizei in Lüneburg verzeichnet keinen starken Anstieg. Streitigkeiten oder kleinere Eigentumsdelikte in Notunterkünften seien sicher auch den Wohnbedingungen auf engstem Raum geschuldet.

Eine Sprecherin der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover teilte wiederum mit, es werde in den Supermärkten nicht mehr gestohlen als sonst. "Auch nicht im Zusammenhang mit Flüchtlingen."

An einigen Orten hat die Polizei spezielle Einheiten eingerichtet. So gibt es in Bramsche eine Art Fachkommissariat. Es beschäftigt sich mit Delikten rund um die dortige Erstaufnahmeeinrichtung. Laden- und Fahrraddiebstähle sowie Körperverletzungen - insbesondere innerhalb der Einrichtung - hätten merklich zugenommen, sagte ein Polizeisprecher in Osnabrück. Allerdings sei das auch mit der gestiegenen Personenzahl zu erklären.

Auch in der Erstaufnahmebehörde Friedland gibt es nach Angaben der Polizei Göttingen ein Fachkommissariat. In Niedersachsens zweitgrößter Stadt Braunschweig wurde im August sogar eine 13-köpfige Sonderkommission eingerichtet, die speziell auf Straftaten von Flüchtlingen spezialisiert ist. Sie versucht gemeinsam mit der Justiz, Kriminelle möglichst noch in Braunschweig zur Rechenschaft zu ziehen. So werde verhindert, dass Straftäter auf ihrer Flucht den Ort wechseln und sich einem Verfahren entziehen, erklärte Inspektionsleiterin Cordula Müller. "Es darf nicht der Eindruck entstehen: Das darfst Du hier."

Kripo-Chef Ulf Küch machte deutlich, dass Flüchtlinge nicht an sich krimineller seien - auch wenn es unter ihnen organisierte Banden gebe. "Das ist ähnlich wie bei einem Fußballspiel. Da sind immer welche dabei, die Theater machen." Die Soko nannte erste Zahlen: Rund um die Landesaufnahmebehörde (LAB) im Braunschweiger Stadtteil Kralenriede registrierte die Polizei in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 135 Ladendiebstähle (Vorjahreszeitraum: 48). Müller verwies allerdings darauf, dass in diesem Zeitraum rund 15 000 Menschen die Einrichtung durchlaufen hätten (Vorjahreszeitraum: 7300). Zudem gebe es eine Steigerung bei den Körperverletzungen, sagte Müller. Diese spielten sich aber fast ausnahmslos innerhalb der LAB ab.

Die Zahl der Straftaten im ganzen Braunschweiger Stadtgebiet ging hingegen zurück. "Man muss mit Sicherheit keine Angst haben und Hysterie ist sowieso unberechtigt", sagte der Chef der Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen, Dietmar Schilff. Er warnte davor, mit Gerüchten Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. So kursierte nach Angaben der Polizei Hannover in sozialen Netzwerken die - falsche - Mutmaßung, in einem Flüchtlingsheim sei eine Reinigungskraft vergewaltigt und ermordet worden. Angesichts der unklaren Faktenlage und der vielen Gerüchte lässt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) derzeit ein bundesweites Polizei-Lagebild zur Kriminalität unter Flüchtlingen erstellen. Dies soll belastbare Zahlen liefern, die bislang fehlen. Wann genau das Lagebild vorliegen wird, ist aber noch unklar. dpa


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