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Schüler im Dauerstress: Nach dem Unterricht geht das Lernen zu Hause weiter.

Schüler im Dauerstress: Nach dem Unterricht geht das Lernen zu Hause weiter.© Martin Steiner

Studie

Jeder dritte Schüler leidet unter Stress

Stressfaktor Klassenzimmer: Jeder dritte Schüler leidet eine Studie zufolge unter den Belastungen durch die Bildungseinrichtung. Niedersachsens Kulturministerin will jetzt nach den Ursachen suchen.

Der Rohrstock hat in deutschen Klassenzimmern zwar schon lange ausgedient, doch Angst und Stress sind bei Schülern auch heute noch weit verbreitet. Jeder dritte Jugendliche leidet unter körperlichen oder psychischen Beschwerden. Das ergab eine Studie der Leuphana Universität Lüneburg für die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK). Befragt wurden 4500 Schüler im Alter von 10 bis 21 Jahren in Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

„Leistungsdruck, Konflikte mit Lehrern und in der Familie oder anstrengende Freizeitaktivitäten – für Schüler gibt es viele Gründe in Stress zu geraten“, sagt Diplom-Psychologe und DAK-Experte Frank Meiners. „Die Anzeichen dafür können ganz unterschiedlich sein.“ Laut Umfrage reagieren 57 Prozent der Schüler unkonzentriert, nervös und überdreht, jeder Zweite leidet an Kopf- und Bauchschmerzen. 43 Prozent sind traurig und ziehen sich zurück, 42 Prozent reagieren gereizt und aggressiv. Jedes dritte Schulkind leidet unter Lern- und Leistungsstörungen und 29 Prozent wollen bei Stress nicht mehr zur Schule gehen. Ein Fünftel schläft schlecht. Betroffen sind vor allem Zwölf- bis 18-Jährige. Jeder zweite Schüler dieser Altersgruppe fühlt sich häufig oder gelegentlich gestresst.

„Es handelt sich um eine Problematik, die stetig zunimmt“, sagt Ralf Connemann, Verbandsvorsitzender der Niedersächsischen Schulpsychologen. Er meint: „Ein großer Stressfaktor ist, dass die Schule immer bedeutsamer wird“, was zur Folge habe, dass die gefühlte Belastung ansteige. „Je bedeutsamer das Ziel, um so größer ist auch die Angst zu versagen.“ Außerdem verkürze sich die Zeit zur Entspannung durch überfüllte Lehrpläne und lange Schultage. „Die Möglichkeit, Sport zu treiben oder Hobbys nachzugehen, ist zeitlich sehr eingeschränkt“, sagt Connemann. Die Vorsitzende des niedersächsischen Schulleitungsverbandes, Helga Akkermann, meint, dass in erster Linie die großen Lerngruppen für den Stress der Schüler verantwortlich seien. Einige Jugendliche könnten nicht ausreichend zu Wort kommen und andere verlören aufgrund des gestiegenen Unterrichtstempos den Anschluss. Auch die zentralen Prüfungen könnten laut Akkermann eine größere Anspannung hervorrufen.

Eine Erklärung dafür, warum Mädchen laut Studie besonders stark von Stress-Symptomen betroffen sind, haben weder Akkermann noch Connemann. 40 Prozent der Schülerinnen gaben an, mehrmals in der Woche körperliche oder psychische Beschwerden zu haben.

Erstaunt zeigt sich das Kultusministerium darüber, dass Gymnasiasten viel seltener angaben, unter Kopf- oder Rückenschmerzen zu leiden als andere Schüler. „Die Stresssymptome tauchen nicht dort auf, wo wir sie eigentlich erwatet hätten“, sagt Ministeriumssprecher Andreas Krischat. Man hätte gedacht, dass besonders auf den Gymnasiasten wegen des Turbo-Abiturs ein großer Druck laste. „Wir werden uns mit der Studie befassen und nach den Ursachen für die Stresssymptome suchen“, sagt Krischat.

Von Julia Henke


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