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© dpa (Symbolbild)

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„Erschreckende Bilanz“

Jede zehnte Unterrichtsstunde fällt aus

Nach einer Erhebung des Landeselternrats fallen an den Gymnasien im Schnitt zehn Prozent des Unterrichts aus. An Realschulen sind es 9,3 und an Hauptschulen sechs Prozent.

Elternvertreter hatten im vergangenen November zwei Wochen lang in rund 840 Klassen mit insgesamt 27.000 Schülern im früheren Regierungsbezirk Lüneburg ermittelt, wie viele Stunden nicht erteilt werden konnten, weil Lehrer im Mutterschutz, krank, auf Fortbildung oder Klassenfahrt waren. Zehn Landkreise hatten sich an der Umfrage beteiligt, die seit 2006 regelmäßig zweimal im Jahr erhoben wird. Nach der jüngsten Untersuchung war das Fehl in den Gymnasien mit 6,1 Stunden am größten, gefolgt von den Realschulen mit 4,4 und den Hauptschulen mit 3,5 Stunden.

Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer sprach gestern in Hannover von einer „erschreckenden Bilanz“. Manche Gymnasien könnten selbst die eigentlich vorgesehenen Pflichtstunden nicht erteilen. „Im Laufe eines Schülerlebens hat ein Kind in Niedersachsen statistisch gesehen ein Jahr weniger Unterricht als ein Kind in Bayern“, sagte Fritz Hullen, Elternvertreter aus Ashausen im Kreis Harburg. Zwar sei der Protest größer, wenn vermeintlich wichtige Fächer wie Mathematik oder Englisch ausfielen, aber auch Fehlstunden in Musik oder Kunst seien ärgerlich. „Die Eltern müssen mit Nachhilfe Versäumnisse der Schulen ausgleichen und dafür auch noch teuer bezahlen.“

Das Kultusministerium wies den Vorwurf der mangelnden Unterrichtsversorgung zurück. Sprecher Andreas Krischat nannte die Lüneburger Erhebung „nicht zuverlässig“. Die Daten seien nur punktuell ermittelt worden. So werde sogenannter Epochalunterricht, wenn also ein Fach für einen bestimmten Zeitraum im Mittelpunkt steht, beispielsweise nicht erfasst. „Die rechnerische Unterrichtsversorgung im Land ist übers Schuljahr gesehen gesichert.“

Zimmer und Hullen widersprachen: Die Zahlen seien sehr wohl repräsentativ. Eine Einschätzung, die auch die Elterninitiative „Land unter“ bestätigt.Landauf, landab klagten Eltern über Unterrichtsausfall, sagt Initiator Knut Gerschau und verweist auf Beispiele aus Bückeburg, Bremervörde, Osnabrück und Hannover.

Der Einzelfall sei keine Katstrophe, sagte Zimmer. „Das Problem ist der Unterrichtsausfall in der Summe.“ Das System sei ausgereizt, es gebe keine Vertretungsreserve. Je kleiner eine Schule sei, desto schwieriger sei es, Vertretungen zu organisieren. „Wenn ein Kollegium aus sieben Lehrkräften besteht, gibt es einfach keine Jongliermasse wie an Schulen mit mehr als 100 Pädagogen“, sagte Zimmer. Ministeriumssprecher Krischat entgegnete, kleine Schulen könnten Hilfe von benachbarten Schulen beanspruchen oder bei der Landesschulbehörde Feuerwehrlehrkräfte anfordern.

Elternratsvorsitzender Pascal Zimmer mahnte angesichts übervoller Klassen und irritierender Meldungen über mögliche Stellenkürzungen bei Lehrern den „Zukunftsvertrag Bildung“ an, den Ministerpräsident Christian Wulff Anfang Dezember beim Philologentag in Goslar versprochen hatte. „Passiert ist seitdem nichts. Mit uns hat jedenfalls noch keiner von der Landesregierung gesprochen, dabei vertritt unser Verband 1,8 Millionen Eltern in Niedersachsen.“


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