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Bischof Norbert Trelle.

Bischof Norbert Trelle. © Peter Steffen/Archiv

Kriminalität

Hildesheimer Bischof räumt Fehler im Umgang mit Missbrauchsfall ein

Das Hildesheimer Bistum hat Vorwürfe gegen einen im Zentrum des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche stehenden Pater zu spät an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diesen Fehler hat Bischof Trelle eingeräumt. Allerdings sei nichts vertuscht worden.

Hildesheim (dpa/lni) - Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle hat Fehler im Umgang mit dem Missbrauchsfall einer 14-Jährigen eingeräumt, den Vorwurf der Vertuschung aber zurückgewiesen. Der Hinweis auf einen Missbrauchsvorwurf gegen einen Geistlichen sei 2010 aus heutiger Sicht zu spät an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden, teilte Trelle am Freitag mit.

"Dass wir damals so entschieden haben, bedauern wir heute sehr", erklärte der Bischof. "Aus heutiger Sicht und mit der Erfahrung von fünf Jahren Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch würden wir heute anders entscheiden und vorgehen", betonte Trelle in einem Schreiben an die Bistumsmitarbeiter.

Im März 2010 habe die 14-Jährige bei einem ersten Gespräch keinen sexuellen Übergriff erwähnt, so Trelle, sondern eindeutig nur Belästigungen durch Pater Peter R.. Dieser stand damals allerdings im Zentrum des Missbrauchsskandals am Berliner Gymnasium Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern.

Trotzdem schrillten bei Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, der das Gespräch mit dem Mädchen führte, nicht die Alarmglocken. Statt sofort die Staatsanwaltschaft einzuschalten, riet er der in Begleitung einer Religionslehrerin erschienenen Schülerin, die Sache auch mit ihrer Therapeutin zu besprechen. Das Angebot von Bongartz, auch mit den erziehungsberechtigten Großeltern zu reden, hatte die Schülerin abgelehnt.

Erst bei einem zweiten Termin mit den Großeltern im November hätten Schilderungen des Mädchens eindeutige Hinweise auf sexuellen Missbrauch ergeben, erklärte Trelle. Daraufhin sei sofort die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Diese habe auch das Gesprächsprotokoll erhalten, indem das Bistum ausdrücklich auch die Vorgeschichte des Paters und die Vorwürfe gegen ihn am Canisius-Kolleg benannt wurden.

"Womöglich wäre es dem Mädchen eine größere Hilfe und Unterstützung gewesen, wenn man sich im März 2010 über ihre ausdrückliche Bitte hinweggesetzt und trotz oder wegen ihrer zurückhaltenden Schilderung das Gespräch mit den erziehungsberechtigten Großeltern gesucht und/oder unmittelbar die Staatsanwaltschaft kontaktiert hätte", erklärte Trelle.

Am Berliner Canisius-Kolleg hatte es jahrelange systematische sexuelle Übergriffe gegeben. Die dem heute 74-jährigen Peter R. vorgeworfenen Taten an der Jesuitenschule sind alle verjährt. Die Ermittlungen im Fall der 14-Jährigen aus Hildesheim stellte die Staatsanwaltschaft Berlin 2011 laut WDR wegen geringen öffentlichen Interesses gegen Zahlung einer Geldauflage ein. Dabei hatten die Ermittler allerdings nicht im Blick, dass Peter R. als Haupttäter im Canisius-Skandal galt und auch im Bistum Hildesheim zuvor schon zwei Frauen und eine Jugendliche aus Mexiko bedrängt haben soll.

Dass die Berliner Staatsanwaltschaft erneute Ermittlungen gegen Pater R. prüft, wurde von Trelle ausdrücklich begrüßt. Im Umgang mit den Verbrechen des sexuellen Missbrauchs seien Klarheit und Entschiedenheit der einzig mögliche Weg.

dpa


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