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ISLAMISCHER STAAT: 22 Dschihadisten ausHildesheim schlossen sich der Terrormiliz an -mindestens 15 waren Mitglieder desDeutschsprachigen Islamkreises.

ISLAMISCHER STAAT: 22 Dschihadisten aus Hildesheim schlossen sich der Terrormiliz an - mindestens 15 waren Mitglieder des Deutschsprachigen Islamkreises.

Sicherheit

Hildesheim: Islamkreis droht Vereinsverbot

Dem Deutschsprachigen Islamkreis (DIK) Hildesheim droht das Vereinsverbot. Nach NP-Informationen plant Innenminister Boris Pistorius, den DIK in Kürze zu verbieten.

Hannover/Hildesheim. Die Sicherheitsbehörden arbeiten seit einiger Zeit mit Hochdruck daran, genügend Belastendes gegen die muslimischen Hardliner zusammenzutragen. Nach Einschätzungen von Insidern könnten die Ermittler in wenigen Tagen zum entscheidenden Schlag gegen den Verein ausholen. Spannende Frage dabei: Warum eigentlich erst jetzt? Und warum gerade jetzt?

Der DIK spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausreise von Dschihadisten ins Kampfgebiet des Islamischen Staats (IS) nach Syrien und in den Irak. Aber nicht erst seit gestern. Bis einschließlich Februar 2016 schlossen sich aus Hildesheim 22 Frauen und Männer der Terrormiliz an - mindestens 15 waren Mitglieder des Deutschsprachigen Islamkreises. Das hatte ein Beamter des Landeskriminalamts (LKA) vergangene Woche während einer Verhandlung gegen einen Salafisten (31) vor dem Verwaltungsgericht Hannover erklärt (NP berichtete). Dem Mann, der ebenfalls dem DIK angehört, war der Reisepass entzogen worden. Er wollte offenbar Krankenwagen ins Kriegsgebiet schaffen.

Das Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet den Verein. Entscheidende Erkenntnisse für ein Verbot hat aber offenbar das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) über den DIK Hildesheim. Die Behörde bezeichnet ihn als den „dschihadistisch-salafistischen Hotspot der Republik“. Zu den nach Syrien/Irak ausgereisten Hildesheimern gehören auch ein ehemaliger DIK-Vorsitzender und der Schriftführer. Über Letzteren weiß man, dass er für den IS an Kampfhandlungen teilgenommen hat.

Die letzte bislang bekannte Ausreise zweier Männer hatte im Februar stattgefunden. Quasi vor den Augen der niedersächsischen Sicherheitsbehörden. Den zwei Dschihadisten waren bereits die Pässe abgenommen worden. Sie machten sich aber offenbar mit gefälschten Papieren auf den Weg und wurden in Ungarn von der Polizei geschnappt. Das Duo sitzt seither dort in Haft. Spätestens im vergangenen Jahr sollen auch mehrere Salafisten aus Wolfsburg, dem bis dato bekanntesten niedersächsischen Mekka der Gotteskrieger, den meisten Ausreisen, nach Hildesheim gezogen sein. Am Freitagsgebet nehmen regelmäßig 250 bis 300 Gläubige in die Moschee an der Martin-Luther-Straße in die Hildesheimer Nordstadt teil. Zu den Islam-Seminaren des DIK, bei denen auch bekannte, radikale Prediger wie Mohammed Ciftci aus Braunschweig oder Ahamad Armih aus Berlin aufgetreten sein sollen, kommen sogar Gäste aus dem Ausland. Angeblich setzen sich die Teilnehmer über Tage, manchmal über Wochen unter der Anleitung radikaler Imame mit tiefreligiösen Inhalten auseinander. Nach den Workshops soll es immer wieder zu Ausreisen ins IS-Kampfgebiet gekommen sein. Der DIK war zu keiner Stellungnahme gegenüber der NP bereit.

Hildesheim ist schon eine ganze Weile die Salafisten-Hochburg in Niedersachsen - eine Entwicklung, bei der der DIK die entscheidende Rolle gespielt hat. Doch wieso soll es erst jetzt zu einem Vereinsverbot kommen? Insider sehen den Druck, der durch Einrichtung des Islamismus-Ausschusses des Landtages auf Innenminister Pistorius und Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger lastet, als Grund für einen vermutlich medienwirksam inszenierten Schlag gegen den DIK. Insbesondere die Brandenburger-Behörde steht wegen möglicher Versäumnisse bei der Abwehr islamistischen Terrors in den vergangenen drei Jahren massiv unter Beschuss.

Britta Mahrholz


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