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NPInterview

Greenpeace-Experte Jörg Feddern zum Tod der Pottwale

Greenpeace-Experte Jörg Feddern erklärt im NP-Interview, warum Pottwale immer wieder an der Nordseeküste stranden können.

Sie sind gerade über das Gebiet in der Nordsee geflogen, wo die toten Pottwale gefunden wurden. Sind noch mehr dort?

Nein, wir haben nur die acht toten Tiere gesehen, die vor Dithmarschen liegen.

Sind die Tiere verhungert?

Das weiß man erst, wenn man sie untersucht hat. Aber bei denen, die vorher gestrandet sind, hat man noch Mageninhalt gefunden. Die sind offensichtlich nicht verhungert. Die haben sich verschwommen und sind gestrandet.

Werden die von ihrem eigenen Gewicht erdrückt?

Ja, oder sie überhitzen von innen. Man muss sich vorstellen, dass die Tiere eine sehr starke Speckschicht haben. Wenn sie dann an Land liegen, bekommen sie riesige Herz- und Kreislaufprobleme. Das Gewicht spielt natürlich eine Rolle. Irgendwann sterben sie dann qualvoll. Ich habe das 1999 vor Sankt-Peter-Ording erlebt. Das waren fünf Tiere, drei konnten wir retten, zwei sind gestrandet. Es dauert Stunden, bis die dann sterben. Sie können sich nicht mehr fortbewegen, und man kann auch nicht mehr helfen. Es ist sehr traurig, sich das anzuschauen, das zerreißt einem wirklich das Herz.

Warum können die in der Nordseee nicht überleben? Ist die zu flach?

Ja, das ist das Problem. In der nördlichen Nordsee ist es tief genug, und da finden sie auch noch Nahrung, aber hier bei uns unten ist die Nordsee zu flach. Dadurch, dass die sich über Echolot orientieren und keinen Widerhall bekommen, verirren die sich, kommen in flache Gewässer und stranden dann.

Nehmen die Tiere nicht immer dieselben Wege?

Das weiß keiner so genau. Ich kenne die Gegend da oben, wo sie herkommen. Da sind viele Ölplattformen, die unter Wasser einen Höllenlärm machen. Dazu kommen seismische Untersuchungen für neue Gasfelder. Dort fahren viele Schiffe. Es kann sein, dass die Tiere durch diese Lärmbelästigung abgelenkt sind. Das ist eine mögliche Erklärung. Es gibt aber auch die Vermutung, dass dies mit der Aktivität der Sonne zu tun hat. Also, dass die Wale sich nicht mehr an den Magnetfeldern orientieren können und sich dann verschwimmen. Die dritte Möglichkeit ist, dass sie krank waren. Dafür gab es aber bisher keine Belege.

Es sind bisher immer Bullen gestrandet, was ist mit den weiblichen Walen?

Die Weibchen sind in der Nähe der Azoren, sie ziehen dort die Jungtiere groß. Nur die Männchen schwimmen so weit nach Norden. Irgendwann ziehen sie wieder zurück in Richtung Azoren, wahrscheinlich, um sich zu paaren.

Was kann man tun, wenn Wale in Gefahr, aber noch nicht gestrandet sind?

Wir hatten 1999 vor Sankt Peter Ording die Küstenwache angerufen und um Hilfe gebeten, die Tiere koordiniert vom Strand fernzuhalten - allein durch Motorengeräusche. Das hatte bei drei Walen funktioniert, zwei sind gestrandet. In den allermeisten Fällen kommen die Meldungen aber erst, wenn die Tiere schon gestrandet sind.

Es sind auch Tümmler und Schweinswale in der Nordsee - sind die auch gefährdet?

Man hat eine Studie im Mittelmeer über die Lärmbelästigung für die Wale gemacht. Durch Aktivitäten der Öl- und Gasindustrie, durch seismische Untersuchungen, durch Militärübungen sind die Tiere extremst geräuschbelastet. Das kann man wohl auf Nord- und Ostsee übertragen. Gerade hier die deutsche Nordseebucht ist einer der meistbefahrenen Schifffahrtswege der Welt. Wir haben Öl- und Gasplattformen und die Installationen von Windkraftanlagen. Diese Installationen könnte man so steuern, dass die Auswirkungen möglichst gering gehalten werden können.


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