Navigation:

Fahrunterricht in Deutschland: Der Führerschein kostet rund 1800 Euro.© dpa

Verkehr

Goslar: Experten fordern Ausweitung der Fahrausbildung

Wer die Führerscheinprüfung besteht, darf in Deutschland in aller Regel ohne jede weitere Schulung lebenslang Auto fahren. Das könnte sich demnächst ändern. Beim Verkehrsgerichtstag soll über ein verbindliches Mehrstufenmodell der Fahrausbildung diskutiert werden. 

Goslar. Eine Landstraße Anfang Januar im niedersächsischen Kreis Göttingen: Ein 18-Jähriger kommt mit seinem Auto auf winterglatter Fahrbahn ins Schleudern, gerät in den Gegenverkehr und prallt frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Ein Mensch stirbt, vier werden schwer verletzt. Ein Unfall wie viele andere, bei denen unerfahrene Autofahrer am Steuer sitzen.

Fahranfänger sind trotz des Erfolgsmodells "Begleitetes Fahren ab 17" weiterhin die am stärksten unfallgefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern, stellt die Deutsche Akademie für Verkehrswissenschaft fest. Sie hat als Ausrichter des Deutschen Verkehrsgerichtstages, der jetzt (offiziell am Donnerstag) in Goslar beginnt, das Thema "Fahrausbildung" auf die Tagesordnung gesetzt.

Für Ulrich Chiellino ist klar, was passieren muss: "Viele Fahranfänger überschätzen ihr Können", sagt der Verkehrspsychologe vom ADAC. Dieses "trügerische Sicherheitsgefühl" sei die Ursache dafür, dass sie in den ersten Monaten nach der bestandenen Fahrprüfung überdurchschnittlich viele schwere Unfälle bauen. "Wir brauchen deshalb eine gesetzlich vorgeschriebene Ausweitung der Lernphase", sagt Chiellino.

Beim Verkehrsgerichtstag will sich der ADAC für ein neues, mehrstufiges Modell der Fahrausbildung stark machen. Der Auto Club Europa ACE steht dem eher skeptisch gegenüber. Sprecher Rainer Hillgärtner verweist auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg, nach denen fast 30 Prozent der Führerscheinbewerber beim ersten Versuch durch die Prüfung fallen.

Statt Fahrschülern weitere gebührenpflichtige Ausbildungsstufen aufzuerlegen, sollten erst einmal die pädagogischen Misserfolge im herrschenden System beseitigt werden.

Anders der Automobilclub von Deutschland (AvD), der sich für eine zweiphasige Ausbildung der Fahranfänger einsetzt. Zur zweiten Phase sollten neben dem verbindlichen Fahrsicherheitstraining sogenannte Feedback-Fahrten gehören. Dabei sollen junge Fahrer von erfahrenen Coaches Rückmeldungen über das erhalten, was sie können, und vor allem über das, was sie nicht beherrschen.

Als Vorbild könne Österreich dienen, sagt Verkehrspsychologe Chiellino. "Dort werden junge Fahrer auch nach Erhalt der Fahrerlaubnis weiter gezielt unterstützt". Sie müssen unter Aufsicht ihr fahrerisches Können vorführen und an Fahrsicherheitstrainings teilnehmen. "Die Anfänger sollen dabei lernen, ihr Können richtig einzuschätzen und erkennen, wo Grenzen liegen".

Der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) plädiert ebenfalls für eine "obligatorische Lernzeitverlängerung mit protektiven Maßnahmen". Es müsse ein umfassendes Konzept zur Ausbildung und Betreuung von Fahranfängern erarbeitet werden. "Wir benötigen verlängerte Lernzeiträume, sogenannte Mehrphasenmodelle", fordert DVR-Präsident Walter Eichendorf. Vor allem müsse "die Fähigkeit der Anfänger zur Selbstreflexion ausgebaut werden". "Junge Fahrer müssen lernen zu erkennen, dass man in manchen Situationen nicht mehr Pilot im Fahrzeug ist, sondern Passagier", sagt ADAC-Experte Chiellino. "Dieses Gefühl sollten sie aus einer zweiten Ausbildungsphase mitnehmen, um zurückhaltender zu fahren."

Mehrphasenmodelle würden die Ausbildung weiter verteuern, fürchtet der ACE. Schon jetzt seien für theoretische und praktische Pkw-Prüfung zusammen oftmals bis zu 1800 Euro fällig, gibt Sprecher Rainer Hillgärtner zu bedenken. ADAC-Experte Chiellino verweist dagegen auf das österreichische Vorbild. Dort verteuere sich die Fahrausbildung durch die verbindliche zweite Stufe insgesamt nur um etwa 150 bis 200 Euro. Dafür seien die Unfallzahlen bei Fahranfängern deutlich rückläufig. dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie