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Ein Schild weist auf das Landgericht in Hannover hin.

Ein Schild weist auf das Landgericht in Hannover hin. © Julian Stratenschulte/Archiv

Prozesse

Geständnisse im Prozess um Krawalle nach Todessturz

Das Verfahren gegen sechs Mitglieder eines Familien-Clans nach Angriffen auf Polizisten wird voraussichtlich deutlich abgekürzt. Im Landgericht Hannover wurde eine Verständigung erzielt. Die Gewerkschaft der Polizei sieht das kritisch.

Hannover. Im Prozess um die Ausschreitungen einer Großfamilie in Hameln haben alle sechs Angeklagten im Landgericht Hannover Geständnisse abgelegt. Die fünf Männer und eine Frau räumten am Donnerstag in von ihren Verteidigern verlesenen Erklärungen ein, im Januar 2015 Polizisten beleidigt, bedroht und attackiert zu haben. Auslöser der Krawalle war der Todessturz eines 26-jährigen mutmaßlichen Räubers bei einem Fluchtversuch aus dem siebten Stock des Amtsgerichts. Auch vor dem Krankenhaus, in das der Mann gebracht worden war, flogen Steine. Insgesamt wurden laut Anklage 24 Polizisten und sechs unbeteiligte Menschen verletzt.

Die Attacken seien keine Missachtung des Staates gewesen, ließ der 27-jährige Bruder des Verunglückten erklären. "Ich war der erste, der meinen Bruder leblos auf dem Boden sah." In der damaligen Situation sei er schlicht fassungslos gewesen. Die 50-jährige Mutter sagte, sie sei eigentlich nicht gewalttätig: "Ich war außer mir." Auch ein Cousin führte seinen Angriff auf einen Justizbeamten auf seine psychische Ausnahmesituation zurück. Er bereue ihn außerordentlich.

Den Geständnissen war eine Verständigung aller Prozessbeteiligten vorangegangen, um das Verfahren abzukürzen. Bis auf den Bruder des Abgestürzten können die unter anderem wegen Landfriedensbruch angeklagten Familienmitglieder nun damit rechnen, nicht ins Gefängnis zu müssen, sondern zu Bewährungsstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten verurteilt zu werden. Dem Bruder wurde eine Höchststrafe von zwei Jahren und sechs Monaten in Aussicht gestellt, in die auch ein früheres Urteil wegen Einbruchsdiebstahls einbezogen ist.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen, Dietmar Schilff, kritisierte den Deal. "Wir haben eine hohe Anzahl von verletzten Kolleginnen und Kollegen mit steigender Tendenz", sagte Schilff der dpa. Ein Handel vor Gericht sei immer problematisch. Jetzt sehe es so aus, als würden die Verletzungen der Kollegen in Hameln nicht ernstgenommen. Seine Kritik hatte Schilff zuerst im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen geäußert.

dpa


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