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Gefährliches Fahren mit Rückenwind: Unfälle mit Pedelecs

Vor allem Senioren kommen bei Pedelecunfällen in Niedersachsen zu Fall. Trainingsprogramme sollen Neulingen helfen, die Fahrräder mit Elektromotor besser zu beherrschen.

Hannover. Viele treten gerne in die Pedale, möchten aber nicht verschwitzt und außer Atem am Ziel ankommen. Deshalb tauschen sie ihren konventionellen Drahtesel gegen ein Rad mit elektronischer Tretunterstützung, sogenannten Pedelecs. "Das ist wie Fahren mit Rückenwind", sagt der Pedelec-Experte Stefan Hecht aus Hannover. Bei den umgangssprachlich E-Bikes genannten Rädern unterscheidet man zwischen zwei Ausführungen: Die als Pedelec bekannte Variante ist zulassungsfrei, die Tretunterstützung stellt sich bei einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern die Stunde aus. Das Wort E-Bike bezeichnet eigentlich Kleinkraftfahrzeuge, die wie ein Mofa Nummernschild und Versicherung benötigen.

Das Fahren mit Akkuunterstützung hat aber auch seine Tücken. Im Jahre 2013 registrierte die Polizei laut Niedersächsischem Innenministerium 190 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Pedelecs, 2014 waren es schon 274, 215 davon gingen mit Personenschäden einher. Verletzt wurden vor allem Pedelecfahrer ab 65 Jahren. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gehörten Autofahrer zu den Haupt-Unfallverursachern, etwa wegen zu hoher Geschwindigkeit oder Missachtung der Vorfahrt.

"Von Pedelecs geht keine höhere Unfallgefahr aus als von herkömmlichen Fahrrädern", sagt Ilona Krause vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Niedersachsen. "Dass Pedelecs überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt werden, hängt mit ihrer hauptsächlichen Nutzergruppe zusammen. Pedelecs werden von älteren Menschen gefahren, die ohnehin häufiger verunfallen."

Fahrradhändler Hecht hingegen wehrt sich gegen das Klischee "Pedelec gleich Senioren". Auch viele Menschen ab 30 seien zunehmend an Pedelec-Modellen für Trekking und Mountain-Biking interessiert. "Dass die Unfallrate durch Elektrofahrräder höher ist, kann ich nicht bestätigen." Außerdem habe sich die Technik in den letzten Jahren deutlich verbessert. "Es ist nicht mehr so, dass der Motor wie ein Nackenschlag reinhaut."

Der Landesverbandssprecher des Autoclubs Europa (ACE), Matthias Cordts, gibt zu bedenken, dass mit zunehmendem Alter die Reaktionsfähigkeit, das Hörvermögen und das Sichtfeld eingeschränkt seien. "Das schlägt sich auch beim Fahren der Pedelecs nieder." Auch Fußgänger rechneten oft nicht damit, dass in ihrem Rücken ein Pedelec angesaust komme.

Die Landesverkehrswacht setzt auf Prävention und bietet unter dem Motto "Fit mit dem Fahrrad" Kurse an - auch für Menschen, die vom Normalrad aufs Pedelec umsteigen. Die Kursinhalte reichen von der Straßenverkehrsordnung bis hin zum Geschicklichkeitsparcours. Das Angebot werde auch von vielen älteren Menschen wahrgenommen, so die Geschäftsführerin Cornelia Zieseniß.

dpa


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