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Jürgen Gansäuer (CDU) unterstützt den Entschluss des Landtags, den maroden Plenarsaal in Hannover abzureißen.

Jürgen Gansäuer (CDU) unterstützt den Entschluss des Landtags, den maroden Plenarsaal in Hannover abzureißen. © dpa

NP-Interview

Gansäuer ist für Abriss des Landtages in Hannover

Ex-Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) unterstützt den Entschluss des Landtags, den maroden Plenarsaal in Hannover abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

VON HEIKO RANDERMANN

Herr Gansäuer, Sie haben lange als Abgeordneter im Landtag gearbeitet ...

Insgesamt 34 Jahre, länger als jeder andere Abgeordnete in der Geschichte Niedersachsens.

Was halten Sie vom Plan des Landtags, den Plenarsaal abreißen zu lassen?

Ich habe 1973 den Landtag zum ersten Mal betreten und habe mir das Gebäude genau angesehen. Ich habe den Oesterlen-Anbau schon damals als sehr unglücklich empfunden, weil er die Laves-Fassade des Leineschlosses erdrückt. Außerdem ist er gesichtslos – dieser Anbau könnte genauso gut in Stockholm oder in Spanien stehen. Darüber hinaus habe ich nie ergründen können, was an Oesterlens Umbau des Schlosses und dem Anbau eigentlich niedersächsisch sein soll.

Wie meinen Sie das?

Oesterlen hat es nicht geschafft darzustellen, dass es neben Hannover auch noch Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg gegeben hat. Mit Oesterlens Bau lässt sich die Geschichte Niedersachsens jedenfalls nicht verbinden.

Viele sehen den Plenarsaal als Symbol des demokratischen Aufbaus nach dem Krieg.

Und das ist einfach falsch. Rechnen Sie mal: Der Oesterlen-Bau wurde 1962 eingeweiht – 16 Jahre nach der Gründung Niedersachsens. Alle wichtigen Entscheidungen der Aufbaujahre unserer jungen Demokratie wurden woanders gefällt: in der Stadthalle von Hannover, wo der Landtag sich bis dahin traf. Aber auch im Inneren des Oesterlen-Landtags fand sich lange nichts Niedersächsisches. Ich darf daran erinnern, dass ich als Landtagspräsident entschieden habe, dass ein bis dato namenloses Empfangszimmer zum Leibniz-Saal wurde und einige Kennzeichen der niedersächsischen Geschichte erhielt. Das haben wir mit Geschichtsstudenten konzipiert, und genau das sollte auch mit dem neuen Gebäude passieren, damit jedem Besucher klar wird: Das ist ein Haus für alle Niedersachsen.

In 34 Jahren als Landtagsabgeordneter haben Sie viele Gäste aus allen Landesteilen im Parlament empfangen. Wie haben die sich über den Plenarsaal geäußert?

Fast alle empfanden ihn als bedrückend. Er ist dunkel, er ist dumpf, es gibt nichts, was die Atmosphäre auflockert. Der Plenarsaal trägt nicht dazu bei, dass Diskussionen sachlicher und freundlicher werden.

2002 gab es bereits einen Umbauplan, um mehr Licht ins Gebäude zu lassen, den haben Sie 2003 gekippt. Bereuen Sie das jetzt?

Nein, weil man jetzt mit dem vorliegenden Entwurf einen großen Wurf machen kann. Ich war ja 2002 bereits Mitglied des Landtagspräsidiums und habe den Architektenwettbewerb unterstützt. Aber 2003 haben wir den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes das Weihnachtsgeld gekürzt, wir haben auch – gegen meine Stimme – das Blindengeld gestrichen. In dieser Situation konnten wir keinen Landtagsumbau machen.

Jetzt fehlt das Geld auch an allen Ecken und Enden.

Aber heute wissen wir, dass es bei diesem Gebäude teurer ist, nichts zu tun, als einen Neubau anzupacken. Allein in meiner Amtszeit als Landtagspräsident mussten wir sechs Millionen Euro in Reparaturen am Plenarsaal stecken und haben die marode Situation des Gebäudes nicht im Geringsten ändern können. Ich sage es ganz klar: Würde man sich entscheiden, den Altbau zu belassen, wie er ist, dann wählt man die teuerste Lösung.

Kritiker sagen, mit einem Abriss setze sich das Land über sein eigenes Denkmalschutzgesetz hinweg.

Ich würde dazu raten, einmal zu bedenken, ob das Denkmalschutzgesetz in seiner Stringenz immer auf die bauliche Situation passt. Auch das Alte muss sich vor dem Hintergrund von Geschichte, Wirtschaftlichkeit und Nützlichkeit bewähren. Tut es das, muss man es halten. Andernfalls muss es weichen. Hätte man immer in der Geschichte einen so starren Denkmalschutz gehabt, wie wir ihn heute haben, hätte es die Renaissance oder den Barock nie gegeben. Städtische Entwicklung wäre nicht möglich gewesen.

Sie plädieren also für den Glaspavillon?

Dieser Neubau ist die beste Lösung für das Land, den Landtag und die Stadt. Herr Oberbürgermeister Weil hat völlig recht, wenn er sagt: Das wird eine Attraktion für Hannover. Ich ziehe übrigens vor ihm wirklich den Hut: Er weiß, dass seine Meinung nicht der Stimmung in der Stadt entspricht, aber er steht dazu, weil er über die Tagespolitik hinaus den Gewinn für Hannover sieht. Diese Haltung verdient Respekt.

Mit dem Neubau würde der Platz der Göttinger Sieben verschwinden.

Das sehe ich nicht als großen Verlust. In seinem jetzigen Zustand ist der Platz so tot wie der Zentralfriedhof von Chicago nachts um drei.


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