Navigation:

Symbolfoto

HILDESHEIM

Fußballfans und Rechte greifen Asylbewerber an

Am 23. August gegen 22.10 Uhr erreichte die Polizei ein Notruf, wonach eine größere körperliche Auseinandersetzung am Hildesheimer Bahnhofs stattfinden sollte. Dabei war die Rede von mit Stöcken bewaffneten Personen sowie von vermeintlichen Schussgeräuschen.

Hildesheim. Am Einsatzort Hannoversche Straße vor der Bahnunterführung wartete tumultartige Szenenauf die Polizei, wobei sich zwei rivalisierende Gruppen gegenüberstanden. Auf der einen Seite befanden sich etwa 15 Personen - überwiegend Fußballfans, darunter aber auch Personen aus der rechtsgerichteten Szene. Die andere Gruppe setzte sich aus etwa 20 Personen mit Migrationshintergrund zusammen, davon teilweise Asylbewerber aus der nahegelegenen Unterkunft in der Senkingstraße.

Trotz der aggressiven Grundstimmung beider Gruppen gelang es den Polizeikräften die Lager zu trennen. Mit zusätzlichen Kräften wurden bei den Tatverdächtigen Personalienfeststellungen durchgeführt, Durchsuchungen vorgenommen sowie Platzverweise ausgesprochen und durchgesetzt.

Aus den ersten Ermittlungen der Polizei ergab sich der folgende Geschehensablauf: Ein 18-jähriger Deutscher mit Migrationshintergrund und dunkler Hautfarbe sowie ein 21-jähriger Syrer liefen am Bahnhofsvorplatz, Nahe ZOB, an einer Gruppe vorbei, die sich dort aufhielt und Alkohol konsumierte. Dabei wurden die beiden aus der Gruppe heraus als "Scheiß Ausländer" betitelt und weggestoßen.

Die beiden attackierten Männer ergriffen daraufhin die Flucht, wobei sie durch mehrere Personen aus der Angreifergruppe fußläufig verfolgt wurden. Die Verfolger stießen dabei an der Unterführung Hannoversche Straße auf einen völlig unbeteiligten 22-jährigen sudanesischen Asylbewerber, den sie unvermittelt mit längeren Holzstücken schlugen.

Den zwei flüchtenden Männern gelang es dagegen, sich von den Verfolgern abzusetzen. Einer der Flüchtenden soll kurz darauf drei Knallgeräusche aus Richtung der Angreifer wahrgenommen haben. Im direkten zeitlichen Anschluss war es dann zu den eingangs geschilderten Gruppenbildungen im Bereich der Unterführung Hannoversche Straße gekommen.

Bei einer intensiven Absuche des Bereichs fand die Polizei keine Patronenhülsen. Schusswaffen wurden im Rahmen der Personendurchsuchun-gen ebenfalls nicht aufgefunden. Das sudanesische Opfer erlitt durch den Angriff leichte Verletzungen. Eine ärztliche Behandlung lehnte er ab.

Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ein. Die Prüfung weiterer Tatbestände wie Landfriedensbruch dauert an.

"Die Übergriffe auf Flüchtlinge in Hildesheim sind nicht akzeptabel. Wir lassen keinen Raum für rechtes Gedankengut oder politisch motivierte Straftaten aus dem rechten Spektrum. Die Polizei Hildesheim ist unmittelbar nach dem Vorfall konsequent mit starken Kräften gegen die Straftäter vorgegangen und setzt mit der Einrichtung einer Ermittlungsgruppe ein deutliches Signal für eine schnelle Aufklärung", sagte der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig.

Zur lückenlosen Aufklärung und zur Aufarbeitung der Ereignisse richtet die Hildesheimer Polizei eine Ermittlungsgruppe ein.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie