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Ein Mann steht vor dem Titelblatt der Satirezeitung Charlie Hebdo.

Ein Mann steht vor dem Titelblatt der Satirezeitung Charlie Hebdo. © Sebastian Gollnow

Kunst

Französische Karikaturen von 1700 bis Charlie Hebdo

In Frankreich haben Karikaturen eine lange Tradition. Bereits im 17. Jahrhundert entstehen erste Werke, die soziale Missstände aufdecken. Ebenso alt ist aber auch die Diskussion, was Satire darf. Das Museum Wilhelm Busch zeigt Werke aus verschiedenen Epochen.

Hannover. Unter dem Titel "Caricatures" zeigt das Museum Wilhelm Busch in Hannover ab Samstag Blätter und Zeichnungen französischer Karikaturisten. Mehr als 200 Werke bilden die satirische Tradition von 1700 bis in die Gegenwart ab. "Das Museum besitzt eine entsprechende Sammlung und kann die Geschichte europäischer Karikatur gut spiegeln", sagt Direktorin Gisela Vetter-Liebenow. Ausgewählt wurden Blätter, die die Pressefreiheit und Satirefreiheit beleuchten. Auch diese Thematik gehört zur Tradition der Karikaturen.

In der Ausstellung sind Zeichnungen der bei dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris 2015 ermordeten Künstler zu sehen. Durch die Unterstützung des Netzwerks Antenne Métropole ergänzen letzte Werke der "Charlie Hebdo"-Zeichner Stéphane Charbonnier und Philippe Honoré aus Privatbesitz die Schau. Sie hängen an eine Wand gepinnt, wie es im Auswahlprozess bei der Entstehung des Magazins üblich ist. Auch das Cover der ersten Ausgabe nach dem Anschlag - mit einer Mohammed-Figur - wird gezeigt.

Ein aktueller Titel von "Charlie Hebdo" beschäftigt sich mit dem Brexit und nimmt Bezug auf eine Karikatur von 1901. Zu sehen ist die Queen, die zum Abschied aus der EU den blanken Hintern zeigt. In der Zeitschrift "L'Assiette au Beurre" war es damals ebenfalls ein Hinterteil, das das "schamlose Albion", also England, darstellen sollte.

Gezeigt werden zudem Karikaturen aus der napoleonischen Zeit und solche, die im 19. Jahrhundert unter die Zensur fielen. Karikaturen galten laut Vetter-Liebenow als viel gefährlicher als das Wort, denn "jeder kann sie lesen". Für Besucher, die sich in der französischen Geschichte nicht so gut auskennen, werden die Hintergründe in der Ausstellung erklärt. Etwa was es mit der Verwandlung des französischen Königs in eine Birne auf sich hat. Der Zeichner Charles Philipon verbrachte für den Vergleich einige Zeit im Gefängnis.

"Satire darf vielleicht alles, aber das heißt nicht, dass man alles gut finden muss", greift Vetter-Liebenow die wiederkehrende Diskussion auf - eine demokratische und gefestigte Gesellschaft müsse es aber in jedem Fall ertragen und dürfe nicht mit Gewalt reagieren.

dpa


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