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Eine Rückkehr von Hans-Ulrich Podehl als Chef der Polizei in Wolfsburg ist fraglich.© Roland Hermstein

Wolfsburg

Ex-Polizeichef: Beförderung gegen Sex?

Die Wolfsburger Polizeiaffäre wird immer schmuddeliger. Die neue Anzeige gegen den abgelösten Inspektionsleiter Hans-Ulrich Podehl wegen „Vorteilsannahme“ (NP berichtete) wirft ein weiteres merkwürdiges Licht auf den offenkundigen Umgang des 60-Jährigen mit jungen Mitarbeiterinnen.

Hannover/Wolfsburg. Hintergrund des Strafantrags einer Beamtin ist, dass Podehl ihr in einem Gespräch ein zweifelhaftes Angebot gemacht haben soll, indem er ihr eine Beförderung gegen Sex in Aussicht gestellt habe. Von „hochschlafen“ sei nach NP-informationen die Rede gewesen.

Ob auch im jüngsten Fall, was üblich wäre, ein Disziplinarverfahren gegen Podehl eingeleitet wurde, dazu macht das Innenministerium keine Angaben: „Angesichts der schutzwürdigen Belange des Betroffenen äußern wir uns dazu nicht“, so eine Sprecherin.

Bei Podehl scheinen die Dinge stets auf das eine hinauszulaufen: auf ein Verhalten des 60-Jährigen gegenüber jungen, attraktiven Mitarbeiterinnen, das die Betroffenen nicht wollen oder ihnen unangenehm ist.

Hinzu kommt, dass das Gebaren des Ex-Inspektionsleiters im Umgang mit Frauen in der Dienststelle seit Jahren von einer Reihe weiblicher wie männlicher Kollegen kritisch gesehen wird. Von Anzüglichkeiten, Umarmungen und sogar vermeintlich zufälligen Berührungen wird berichtet.

In einem Wolfsburger Lokalblatt ließ er seinen Anwalt kürzlich die „Mutmaßungen“ als „unwahr“ zurückweisen. Bereits nach Bekanntwerden der Stalking-Vorwürfe der Wolfsburger Kripo-Chefin (35), die vergangene Woche wie geplant auf ihren Posten zurückkehrte, hatte der 60-Jährige seinen damaligen Anwalt erklären lassen, es gebe „keinen sexuellen Hintergrund“ und er sei sich in seinem „dienstlichen Verhalten keiner Schuld bewusst“.

Laut Spiegel hatte er der 25 Jahre jüngeren Frau Liebesbotschaften und Pferdebilder geschickt, die ausgedruckt auf 150 Din-A-4-Seiten passen.

Das Strafverfahren wegen Nachstellung hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig vergangene Woche eingestellt. Die Schwelle zur Strafbarkeit hatte Podehl noch nicht überschritten. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass auch die Anzeige der Kollegin wegen „Vorteilsannahme“ nicht in eine Anklage münden dürfte.

Das angebliche Angebot, das die Betroffene beschrieben habe, soll mehrere Jahre zurückliegen. Außerdem habe er es ihr in einem Vier-Augen-Gespräch unterbreitet.

Das Bekanntwerden der neuerlichen Vorwürfe, der Fall der Kripo-Chefin und der immer wieder von Unbeteiligten in der Dienststelle beobachtete fragwürdige Umgang des Ex-Inspektionsleiters mit jungen Mitarbeiterinnen vermittelt ein denkwürdiges Bild: Strafrechtlich bewegt sich Podehl seit Jahren in einer Grauzone. Entweder lassen sich die Vorwürfe nicht nachweisen, oder sie erfüllen noch nicht das Maß zur Strafbarkeit.

Dienstrechtlich könnte er aber zumindest gegenüber der Kripo-Chefin eine rote Linie überschritten haben: Das innenministerium hatte bereits angekündigt, dass dieses Disziplinarverfahren gegen ihn wieder aufgenommen wird, sobald keine Beschwerde gegen die Entscheidung hinsichtlich der Stalking-Vorwürfe mehr möglich ist.

So oder so: Für Insider tendieren die Chancen auf eine Rückkehr Podehls in die Wolfsburger Inspektion gegen null – und auf Aufnahme des Dienstes andernorts ebenfalls.

Britta Mahrholz


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