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Eine Frau demonstriert gegen die Schließung von Kitas.

Eine Frau demonstriert gegen die Schließung von Kitas. © Susann Prautsch/Archiv

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Eltern übernehmen bestreikte Kitas

Eigentlich sollte es hier still sein. Stattdessen wetzen lärmend Kinder über die Flure einer städtischen Kita in Braunschweig. Ganz ohne Erzieher. Denn die streiken.

Braunschweig. Blöd für die Eltern. Wohin mit dem Nachwuchs, wenn die Kita zu hat? Am Montag, rund drei Wochen nach Start des Arbeitskampfes, haben nun einige Eltern kurzerhand selbst die Betreuung in einer Kita übernommen. In Hannover und Hildesheim gibt es ähnliche Projekte.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ist es relativ einmalig, dass Städte nun den Eltern die Kitas zur Verfügung stellen, damit diese sich dort um die Kinder kümmern. "Das hat eine neue Qualität", sagt Verdi-Sprecher Ulf Birch. "Dass Eltern in Streikzeiten die Betreuung übernehmen, gab es schon häufiger. Allerdings nicht in den bestreikten Kindertagesstätten."

Je länger der Streik dauert, desto schwieriger finden Eltern Alternativen zu den geschlossenen Kitas - und ein Ende des Arbeitskampfes ist bisher nicht absehbar. "Irgendwann ist der Urlaub aufgebraucht", sagt eine Braunschweiger Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Mehrfach mussten Freunde einspringen. "Das ist nach drei Wochen natürlich unschön."

In Braunschweig sind am Montag zunächst weniger als zehn Kinder in die wieder geöffnete Kita gekommen - alle mit Mutter oder Vater. "Das ist auf keinen Fall so gedacht, dass Eltern ihre Kinder hier an der Tür abgeben können", sagt Sandra Gehrlein, die Vorsitzende des Kita-Stadtelternrates. Nur wenn die Verantwortung für den Nachwuchs klar auf ein anwesendes, befreundetes Elternteil übertragen wird, können die anderen Eltern zur Arbeit gehen. "Heute ist Anlauftag", sagt Irene Stroot vom Stadtelternrat der Kitas in Braunschweig. Es müsse noch einiges organisiert werden.

Erst am Freitag hatte die Stadt grünes Licht gegeben, während des anhaltenden Streiks bis zu sieben Kitas in Eigenregie zu betreiben. Das Angebot soll helfen, mit der "für viele bereits existenziellen Situation in Selbstorganisation umzugehen", sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD).

In Braunschweig dürfen in die nun wieder geöffneten städtischen Kitas auch Kinder aus anderen Einrichtungen kommen. So wie die Vierjährige, die gerade ein Regal mit Spielzeug erkundet. Findet sie es seltsam, heute in einer anderen Kita zu sein? "Ist nicht komischer", antwortet das Mädchen kurzangebunden. Die Igelgruppe in ihrer eigenen Einrichtung wäre ihr dann aber doch lieber.

Auch in Hannover gibt es ein solches Projekt. In der Kita in der Röntgenstraße betreuen Eltern ihre Kinder selbst, sagte eine Sprecherin der Stadt. Anders als in Braunschweig dürfen Kinder aus anderen Einrichtungen aber nicht kommen. "Die Kinder sollen sich ein bisschen auskennen in der Kita." Bei Interesse könnten Eltern auch weitere Kitas betreiben. In Hildesheim werden zwei Einrichtungen Eltern zur Verfügung gestellt.

Die Verhandlungen für die bundesweit rund 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen sollten am Montagabend in Berlin fortgesetzt werden. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der Beschäftigten und damit mehr Geld. Ein Ende des Streiks, der seit dem 8. Mai läuft, ist bislang nicht in Sicht. In Braunschweig soll das Elternprojekt deshalb erst Mal weitergehen, sagt Irene Stroot. "Wir planen, diese Kita weiter geöffnet zu halten."

dpa


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