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Hans Koschnick (SPD) sitzt in seinem Haus in Bremen.

Hans Koschnick (SPD) sitzt in seinem Haus in Bremen. © Ingo Wagner/Archiv

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Ein "großer Bremer" ist tot: Trauer um Hans Koschnick

Wenige Bremer Bürgermeister waren so präsent wie Hans Koschnick. Sein politisches Wirken reichte weit über die Landesgrenzen hinaus. Der Bremer ist in "seiner" Hansestadt gestorben.

Bremen. Trauer um den ehemaligen Bremer Regierungschef Hans Koschnick: Nur wenige Wochen nach seinem 87. Geburtstag starb der langjährige Bürgermeister des kleinsten Bundeslandes in seiner Heimatstadt. Politiker und Organisationen aus ganz Deutschland und Europa würdigten den Sozialdemokraten und einstigen EU-Administrator der bosnischen Stadt Mostar als großen Europäer und Politiker mit Herz und Verstand, der sich immer für Frieden und Völkerverständigung einsetzte. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Koschnick am Donnerstag einen "geradlinigen, entschlossenen und mitreißenden" Ausnahmepolitiker.

In Bremen wehen die Flaggen am Rathaus auf halbmast, ein Kondolenzbuch liegt aus. Es wird auch eine offizielle Trauerfeier für den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Koschnick geben, einen Termin gibt es nach Angaben der Senatskanzlei aber noch nicht.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) nannte Koschnick einen herausragenden Politiker, einen "von allen geschätzten, hoch geachteten und überzeugten" Demokraten: "Wir trauern um einen großen Bremer." Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den Alt-Bürgermeister als "leidenschaftlichen Kämpfer für die Demokratie". Mit seinem Einsatz habe er "ein Beispiel für Tatkraft, für Verantwortungsbereitschaft und für Solidarität gegeben".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte: "Hans Koschnick war unermüdlich in seinem Bestreben nach Frieden, ihm war daran gelegen, dass dieser Kontinent aus dem Hass und den Kriegen die Lehren für eine gemeinsame europäische Zukunft zieht." Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erklärte: "Wir Sinti und Roma verlieren einen guten Freund, auf dessen Solidarität wir uns immer verlassen konnten."

Koschnick führte das kleinste Bundesland 18 Jahre lang - von 1967 bis 1985 - als Regierungschef. Der Ur-Bremer Koschnick trat 1985 zurück und widmete sich danach der Völkerverständigung und Friedensarbeit. Sein kluges Verhandlungsgeschick bei kniffligen Aufgaben war längst nicht nur bei den Genossen bekannt. So wurde Koschnick im Juli 1994 für 20 Monate EU-Administrator in der vom jugoslawischen Bürgerkrieg zerstörten Stadt Mostar. Anschließend übernahm er für zwei Jahre die Funktion des Bosnienbeauftragten der Bundesregierung. Als Schlichter im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes war er vier Mal gefragt.

"Vielen war er ein Vorbild, auch eine Art Volkstribun. Seine Volksnähe war fühlbar", sagte der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber (SPD). Für ihn war Koschnick "der letzte Bremer Politiker von staatsmännischem Format und mit internationaler Ausstrahlung". Bremer Politiker erinnerten zugleich an seine Erfolge in seiner Regierungszeit an der Weser: Den Bau des Containerterminals Bremerhaven, die Ansiedlung von Mercedes und die Errichtung der Bremer Universität.

Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) würdigte Koschnick als "Mann klarer Worte und des Ausgleichs". Mit ihm verliere die Politik in Deutschland eine aufrechte Stimme der Sozialdemokratie, die weit über Bremen hinaus anerkannt und gehört worden sei, erklärte der sächsische Regierungschef in Dresden. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD) sagte, "die Sozialdemokratie verliert mit Hans Koschnick einen prägenden Politiker, der sich mit Leib und Seele für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt" habe.

Für einen seiner auch über Bremens hinaus bekannten Nachfolger im Amt, Alt-Bürgermeister Henning Scherf, war Koschnick auch ein Vorbild. Er habe von ihm gelernt, dass Politik nur dann funktioniere, wenn man nah bei den Menschen ist, sagte Scherf in einem Interview mit Radio Bremen. "Ich habe ihn als einen großen Vermittler, einen großen Versöhner erlebt."

dpa


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