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Umwelt und Natur

Niedersachsen: Warum sterben unsere Bienen?

Über den Winter sind 25 Prozent der Bienenvölker in Niedersachsen gestorben. Dabei ist weltweit ein Drittel aller Nahrungsmittel von der Bestäubung durch die Honigbiene abhängig. Warum sterben so viele Tiere? Die NP hat sich die Arbeit eines Imkers und seiner Bienen genauer angesehen und sprach mit dem Leiter vom Institut für Bienenkunde über die Gefahr der Varroamilbe und fehlende Nahrungsangebote für Bienen.

Pattensen. Der kleine Pfad führt durch verschiedene Kleingärten am Rand von Pattensen, vorbei an blühenden Kirschbäumen und Narzissen. „Da sind sie ganz wild hinterher“, sagt Reinhold Hergemöller, „alles an Krokussen, Obst, Löwenzahn und Lavendel im Sommer.“

Neben einem Apfelbaum im Kleingarten des 55-Jährigen stehen sieben Kästen, das Summen in den Ohren wird lauter. Zahlreiche Bienen fliegen durch die Luft und krabbeln durch kleine Schlitze in die Kästen. „Es werden jeden Tag ein paar tausend Bienen mehr“, erklärt der Hobby-Imker, „im Winter hat ein Volk etwa zehntausend Bienen, bis zum Juni werden es an die 40 000.“ Im Kreisimkerverein Hannover gibt es derzeit mehr als 800 Imker. Das sind bald Millionen von Bienen in der Region Hannover. Aber noch nicht.

Denn etwa 25 Prozent der Bienenvölker sind über den Winter an der Varroamilbe gestorben: „Ich kenne sogar Imker, die haben 100 Prozent Verlust erlitten.“ Der Imker müsse die Tiere unterstützen, denn selbstständig werden sie den Schädling wohl erst in vielen hundert Jahren bekämpfen können – wenn überhaupt. Nur fünf bis zehn Prozent Verlust entsprächen der natürlichen Selektion.

Jede Woche schaut der hauptberufliche TÜV-Gutachter zu seinen Völkern. Derzeit darf Hergemöller keine Medikamente gegen den Parasiten einsetzen, das würde zu Rückständen im Honig führen. Erst, nachdem die letzten Waben geschleudert wurden, können die Tiere mit Ameisensäure behandelt werden, und im Winter noch einmal mit Oxalsäure.

Momentan kann der Imker seinen Bienen nur helfen, indem er die Drohnenbrut aus den Kästen nimmt. „Das dezimiert den Varroabefall gewaltig“, so Herge- möller. Eine Garantie sei das aber nicht. Wenn ein Volk zu viele Milben hat, dann verlassen die Bienen ihren Stock und betteln sich zum Überleben bei anderen Völkern ein. Dadurch werden die Parasiten verteilt. „Da gibt es Völker, die schon im Spätsommer plötzlich zusammengebrochen sind“, weiß der 55-Jährige.

Dabei geht es ohne die Biene nicht. Die Bestäubung ist wichtig für die Landwirtschaft. Allein zu den Apfel- und Kirschbäumen im Alten Land werden in den kommenden Wochen tausende Bienenvölker gebracht. „Der Nektar bietet Zucker und Mineralien, und die Pollen sind der Eiweißlieferant.“ Damit werden auch die Larven in den Bruträumen gefüttert, die von der Eiablage an 21 Tage in den Waben verbringen. Zur Gesunderhaltung der Völker muss Hergemöller das alte Wachs regelmäßig he-rausnehmen. „Die meisten Krankheitserreger verbleiben in der Zelle“, erklärt der Imker, der bereits als Kind mit der Bienenzucht aufgewachsen ist, „zudem müssen die Wachsplatten stets erneuert werden, um die Bienen zum Bauen zu animieren.“

Mit einem sogenannten Smoker pustet Hergemöller vorsichtig Rauch auf die Bienen, bevor er einen der Holzrahmen aus dem Honigraum herauszieht: „Man kann schon den ersten Nektar in den Waben glänzen sehen.“ Bis Ende Mai wird es noch dauern, bis Hergemöller den ersten Honig ernten kann. Dann muss er beim Schleudern „sogar die Schlüssellöcher zukleben“. Die Bienen riechen den Honig sofort und versuchen, in den Schleuderraum zu gelangen. Sie haben schließlich hart dafür gearbeitet: „Für ein Glas Honig fliegen sie etwa zweimal um die Erde.“

Dabei verbringt eine Sommerbiene nur etwa zwei Wochen ihres Lebens außerhalb des Stocks. Vor dem Sammeln ist sie in ihrer Lebenszeit von sechs Wochen für das Putzen, die Ammentätigkeit und den Bau zuständig. Nur ein Teill der Bienen überlebt für ein paar Monate den Winter – wenn die Varroamilbe dem nicht zuvorkommt.


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