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Flüchtlinge

Diakonie: Kompetenzentren für unbegleitete Flüchtlingskinder

Das Durchschnittsalter der Flüchtlinge sinkt, ein Drittel sind Kinder und Jugendliche. Immer mehr Minderjährige fliehen alleine vor Terror, Krieg und Katastrophen. Ihre Betreuung ist anspruchsvoll - viele Kommunen in Niedersachsen sind unvorbereitet, findet die Diakonie.

Hannover. Das Diakonische Werk in Niedersachsen schlägt Alarm: Es sieht viele Kommunen bisher nur ungenügend gerüstet für die erwartete Verdreifachung der Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Statt einer flächendeckenden Unterbringung im Lande spricht sich die Einrichtung für spezielle Zentren aus, in denen bereits vorhandene Fähigkeiten für die Betreuung der oft traumatisierten Kinder und Jugendlichen zusammengefasst werden könnten. Das betrifft etwa Dolmetscher, aber auch speziell geschulte Betreuer, erklärten Sprecher der Diakonie am Dienstag in Hannover.

Die Flüchtlinge, die noch nicht volljährig sind und ohne Angehörige aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland reisen, wurden bisher dort untergebracht, wo sie aufgegriffen wurden. Ab 2016 soll über eine Quoten-Regelung eine gerechtere Verteilung auf alle Bundesländer gesichert werden. Dadurch würden etwa 2000 von ihnen in Niedersachsen aufgenommen werden - bis Ende Mai lag ihre Zahl bei gerade mal 680.

Die Versorgung der nach monatelanger Flucht und Kriegserfahrungen oft verängstigten Minderjährigen in therapeutischen Wohngruppen oder Wohngemeinschaften gilt als aufwendig. Während volljährige Flüchtlinge nach der Ankunft in Erstaufnahmelager kommen, kümmern sich um Minderjährige Jugendämter, Pflegefamilien und Heime - was deutlich teurer ist. Heiner Dirks, Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Osnabrück, schätzt die Kosten auf 4000 bis 6000 Euro pro Monat und Flüchtling. Vom Vierfachen dessen, was für volljährige Flüchtlinge aufzubringen ist, geht der Städte- und Gemeindebund aus.

Die Landesregierung hat statt der aktuell veranschlagten 32 Millionen Euro für die Versorgung unbegleiteter Minderjähriger im Etatentwurf 2016 nun 92 Millionen Euro eingeplant. Dennoch sieht die Diakonie in Niedersachsen Aufholbedarf. "Es gibt Kommunen, denen die Thematik noch völlig fremd ist, in einzelnen Regionen ist man noch gar nicht dran am Thema", so Dirks. In Hannover, Göttingen oder Osnabrück seien dagegen in jahrelanger Vorbereitung entsprechende Fähigkeiten aufgebaut worden. Dirks: "Es sollte daher fünf oder sechs Kompetenzzentren im Lande geben."

Die Landesregierung tendiere eher für eine flächendeckende Verteilung der Minderjährigen. Deren Betreuung sei aber schon wegen der nötigen Sprachkenntnisse anspruchsvoll, sagte der Diakonie-Vorstandssprecher Christoph Künkel. Zudem sei eine interkulturelle Schulung nötig, um sich den Kindern und Jugendlichen zu nähern. "Es ist schwierig, solche Kompetenz in kurzer Zeit aufzubauen; das ist eine sehr herausfordernde Arbeit - eine Wochenend-Fortbildung reicht da nicht aus", sagte Künkel. Er erwähnte in dem Zusammenhang das Beispiel einer Sozialarbeiterin, die sich einem minderjährigen syrischen Flüchtling gut gemeint als dessen Ersatzmutter vorstellte - ohne zu ahnen, dass er zuvor die Enthauptung seiner Mutter hatte mit ansehen müssen.

dpa


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