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KLÄRT AUF: KriminaldirektorUlf Küch (58, verheiratet, vierTöchter) hat ein Buch überdie „Soko Asyl“ geschrieben.

KLÄRT AUF: Kriminaldirektor Ulf Küch (58, verheiratet, vier Töchter) hat ein Buch über die „Soko Asyl“ geschrieben.© Holger Hollemann

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Niedersachsen

Chef der Soko Asyl packt aus

Eine 13-köpfige Sonderkommission der Polizei ermittelt in Braunschweig bei allen Fällen, in denen Asylbewerber verdächtigt werden. Über seine Erfahrungen - auch mit der Politik und Vorurteilen - hat Soko-Chef Ulf Küch jetzt ein Buch geschrieben. Sein Fazit: Flüchtlinge seien nicht häufiger kriminell als Deutsche.

Braunschweig. Alles fing in Kralenriede an, einem gutbürgerlichen Einfamilienhausviertel in Braunschweig. 3000 Menschen leben dort, und die erlebten plötzlich eine neue Welt. Die in der Nähe gelegene Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge, in der eigentlich 400 bis 700 Flüchtlinge leben sollte, musste plötzlich 3500 und mehr beherbergen. Statt der üblichen zehn Wohnungseinbrüche passierten jetzt 40. Frauen fühlten sich belästigt, sogar bedroht. Der soziale Frieden schien gefährdet. Die Polizei reagierte: Sie richtete im Sommer 2015 eine Sonderkommission ein.

Das unter dem Namen „Soko Asyl“ gestartete Projekt kümmert sich um alle Fälle, in denen Flüchtlinge Täter sein sollen - vom Autoaufbruch angefangen über Messerstechereien, versuchte Vergewaltigungen bis eben hin zu Wohnungseinbrüchen. „Ein Haufen Arbeit“, sagt Kriminaldirektor Ulf Küch als Chef der 13-köpfigen Truppe. Aber die habe sich gelohnt: „Die Kriminalität ist weniger geworden.“ Und das Vertrauen der Bürger größer.

Über die Arbeit der Soko, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Probleme mit dem Flüchtlingsstrom, aber auch Fehler der Politik hat Küch jetzt ein Buch geschrieben. Das war kurz vor Drucklegung, als die Exzesse der Silvesternacht in Köln bekannt wurden. Küch lieferte nach: „Hier hat sich eine kriminelle Horde ausgetobt und schweren Schaden in der Flüchtlingsfrage angerichtet.“ Die Täter seien nicht die klassischen Flüchtlinge, sondern zum Teil seit Jahren geduldete Zuwanderer, die ungeachtet erheblicher Vorstrafen nicht abgeschoben werden könnten.

Zum Teil fehlen Auslieferungsverträge zwischen Deutschland und den Heimatländern der Zuwanderer, zum Teil die Erkenntnis, woher überhaupt der angebliche Syrer oder Iraker stamme. Küch kennt Fälle falscher Identitäten zuhauf und nennt als eines der größten Probleme die fehlende Registrierung. „Vom Ausweis mit Fingerabdruck sind wir weit weg.“

Der 58-Jährige Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter weiß aus langer Erfahrung, dass es „keine syrischen, irakischen und kurdischen Familien sind, die uns Probleme machen“. Da nennt er ganz andere: allein reisende Männer aus Nord- und Zentralafrika, Kriminelle aus dem Kosovo, vereinzelt minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die zu lange darauf warten müssten, dass sich ihnen nach der oft Trauma verursachenden Reise ins vermeintlich gelobte Land eine neue Perspektive biete.

Überhaupt die Kosovaren, in Küchs Buch Kaukasier. Offen redet er von organisierter Kriminalität. Mit präparierten Einkaufstaschen (mit Alufolie gepolstert, um die Warensicherung auszuschalten) gingen die auf Diebeszug.

Küch zitiert André Schulz, den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Der sprach „von der sogenannten Russen-Mafia. Junge Männer würden in ihrer Heimat rekrutiert, um in Deutschland Straftaten wie Diebstähle oder Einbrüche zu begehen. Dann würden sie hier einreisen und erst einmal einen Asylantrag stellen, der ihnen zumindest vorübergehend einen legalen Aufenthalt ermöglicht. Zudem bekämen sie vom Staat auch noch eine Unterkunft und eine wenn auch geringe finanzielle Unterstützung“.

Aber trotz allem seien das Einzelfälle, argumentiert der Experte. Flüchtlinge würden nicht häufiger kriminell als Deutsche. Was ihn manchmal erstaune angesichts der Unterbringung: „Würde man uns Deutsche in Massen in einen Hangar sperren, würde es wohl kaum länger als 14 Tage dauern, bis wir anfangen, uns die Köpfe einzuhauen.“

Polizei und Justiz greifen in Braunschweig durch. Zwei Flüchtlinge, die eine Radfahrerin angriffen, würgten und beraubten, wurden zu zwei Jahren und zwei bzw vier Monaten Haft verurteilt. Auch der Fall hat sich herumgesprochen. Und er ist wahr - anders als behauptete Vergewaltigungen. Die Mär über Massenkriminalität macht dem Kriminaldirektor Küch große Sorge: „Was, wenn der Mob vor den Asylheimen steht?“


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