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Justiz

Celle: Schülerin wehrt sich gegen Lehrer

Es hat eine ganze Zeit gedauert, doch mittlerweile hat Angelina ihr Lächeln wiedergefunden. Die heute 15-Jährige hat eine schwierige Zeit überstehen müssen. Jetzt erhebt die Schülerin schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Religionslehrer an einer Oberschule im Kreis Celle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Celle. Angelina (Name geändert) schrieb ihren Lehrer über das soziale Netzwerk Facebook an, um sich nach ihrer Note zu erkundigen. Die damals 14-Jährige stand auf der Kippe und drohte das Klassenziel zu verfehlen. Nach dem anfangs harmlosen Chat gab es plötzlich unsittliche Anspielungen. „Wie wäre es denn, wenn man unter der Decke nicht mehr in Handtücher eingewickelt wäre und es nur die Decke ist, die darüber liegt?“, schrieb der Pädagoge der Minderjährigen. Er wollte mit ihr joggen gehen und fragte sie später, wie dicht sie unter der Decke aneinander sein wollten: „Man kann da ja einfach spontan schauen, was da so kommt.“ (Chat-Verläufe liegen der NP vor).

Angelina war geschockt und schrieb unmissverständlich, dass sie von solchen Anspielungen nichts hält. Doch der Lehrer versuchte es weiter. „Es wurde immer direkter und anzüglicher“, berichtet Angelina, die Anzeige gegen den Lehrer in Probezeit erstattet hat.

Die Lage, so berichtet Angelina, eskalierte kurz vor den Sommerferien. Denn der Lehrer bekam mit, wie Angelina mit einer Freundin tuschelte. „Er hat gemerkt, dass über ihn geredet wurde“, berichtet Rechtsanwalt Benjamin Schmidt. Was dann geschah, erfüllt nach Meinung des Juristen den Tatbestand der Nötigung und des Vernichtens von Beweisen. Angelina berichtet davon, wie sie nach dem Unterricht noch bleiben sollte und in einen Nebenraum geführt wurde. Dort sollen die Klassenlehrerin, ein weiterer Lehrer, die Schulsozialarbeiterin und der von ihr Beschuldigte sie gezwungen haben, die eindeutigen Chat-Verläufe zu löschen, erst am Handy, später am Computer. „Die Klassenlehrerin hat mir vorgeworfen, ich würde was von dem Herrn wollen“, berichtet Angelina von einer Tortur, die über eine Stunde gedauert habe. „Meine Tochter wurde massiv unter Druck gesetzt“, sagt ihr Vater. Die Anspielungen per Facebook seien das eine. Wie die Pädagogen der Oberschule aber versucht hätten, das Bild zu drehen, seine Tochter als Lügnerin darzustellen, sei nicht nachzuvollziehen. Statt Angelina zu schützen, habe man versucht, ihr die Verantwortung in die Schuhe zu schieben: „An der Schule ging das Gerücht um, dass meine Tochter mit dem Lehrer etwas gehabt und sie so seine Kündigung verschuldet habe.“

Der Vater wandte sich an die Landesschulbehörde. „Angelina hat noch einige Screenshots sichern können und sie mir abends geschickt. Ich habe der Landesschulbehörde die Bilder gezeigt. Sie waren scheinbar ausreichend, um den Lehrer sofort aus dem Verkehr zu ziehen“, berichtet der Vater. Das Landeskriminalamt ist dabei, die gelöschten Daten zu rekonstruieren. Auf NP-Anfrage wollte sich die Behörde nicht zu den Vorwürfen äußern. Aus daten- und personenschutzrechtlichen Gründen gebe es grundsätzlich keine Auskunft zu einzelnen Lehrkräften. Auch die Oberschule schweigt zu den Vorwürfen, die Schulleiterin verweist an die Landesschulbehörde.

Angelina hat mittlerweile die Schule gewechselt. Sie sah für sich in dem Ort keine Zukunft und nimmt nun einen Weg von eineinhalb Stunden in Kauf - pro Strecke. „Das ist aber besser für mich“, sagt sie und will mit dem Kapitel abschließen. Der Lehrer soll noch am Tag des Bekanntwerdens vom Dienst suspendiert worden sein.


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