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Brachte er seine Ehefrau um? Dachdeckermeister Uwe K. vor dem Landgericht Bückeburg.© dpa

Prozess

Bückeburg: Erschlug Dachdeckermeister seine Ehefrau?

In einem kleinen Ort schockiert der Mord an einer 42-Jährigen. Als mutmaßlicher Täter wird der Ehemann festgenommen. Beim Prozessbeginn bezichtigt er seine Geliebte. Lässt sich das Geschehen rekonstruieren?

Bückeburg. Irgendwie passt die Beschreibung, die der Angeklagte von seinem Eheleben abgibt, so gar nicht zu der Tat, die ihm vorgeworfen wird. "Ines war die Liebe meines Lebens, auch wenn sich die Liebe im Laufe des Jahres änderte", lässt der 45 Jahre alte Handwerksmeister zum Start des Indizienprozesses am Landgericht Bückeburg am Montag von seinem Verteidiger verlesen. Er war 17, sie 14, als beide sich kennenlernten. "Wir sind nahezu zusammengewachsen, wir waren beide ein unzertrennliches Team."

Am 17. Mai 2015 aber stirbt die 42-Jährige im Hausflur nach vier wuchtigen Schlägen mit einer Zaunlatte - zuvor wurden der Frau Mülltüten über den Kopf gezogen. Nach Ansicht der Anklage ist ihr Mann der Täter, er habe seine Frau aus dem Weg räumen wollen, um mit einer Geliebten ein neues Leben zu beginnen.

Gleich zu Beginn seiner Erklärung lässt der Kaminbau- und Dachdeckermeister den Mordvorwurf dementieren, verpasst der wortreich beschworenen Liebe aber Kratzer. Immer wieder unterhielt er Liebschaften, besuchte Bordelle und lernte in einem Massagesalon seine letzte Geliebte kennen. Seine Frau habe dies wohl geahnt, vermutet er.

Ungeniert gibt er der Geliebten in seiner Firma Aushilfstätigkeiten und nimmt sie auch mit zu Kundenbesuchen und Messen. "Für mich war es gut, wie es war." Mit seiner Frau habe er sich weiter verstanden. "Rafaela wollte schon, dass ich mich von Ines trennte", beschreibt er die Erwartungshaltung der Geliebten.

Schon die Bluttat im Zentrum des kleinen Ortes Lauenau hatte für Erschütterung gesorgt, noch mehr aber die Festnahme des Ehemannes auf einem Supermarktparkplatz nach wochenlangen Ermittlungen. Viele wohl hatten dem im Ort allseits bekannten Handwerksmeister eine solche Tat nicht zugetraut, auch wenn Gerüchte über die Geliebte die Runde machten. Auch mancher der Zuhörer im Bückeburger Gerichtssaal zweifelt an den von der Staatsanwaltschaft vorgetragenen Vorwürfen.

Und dann kommt am Ende der detailreichen Erklärung des Angeklagten die überraschende Wendung. Subtil lässt er Zweifel an der anhänglichen Geliebten aufkommen. Sie habe in fremder Sprache vor seinem Haus mit Landsleuten telefoniert, habe gewusst, wo sich die Schlüssel für die Türen befinden. Auch den Tod seiner Frau bringt er mit der Geliebten in Verbindung.

"Ich vermute, dass Rafaela es gewesen ist oder mit Dritten die Tat verübt hat." Der These sind die Fahnder bei ihren langwierigen Ermittlungen bereits nachgegangen, am nächsten Prozesstag am Freitag soll die Geliebte als Zeugin befragt werden. Die Verteidigung beantragt nach der Beschuldigung der Geliebten gleich zum Prozessstart die Aufhebung des Haftbefehls, zunächst ohne Erfolg.

In dem Indizienprozess mit 52 geladenen Zeugen wird es, das zeigt sich gleich zum Start, viel um die Rekonstruktion des Tattags gehen. War der Angeklagte einen Tag vor dem achten Geburtstag der Tochter so kaltblütig, um innerhalb eines sehr kleinen Zeitfensters die Frau zu töten, fröhlich grüßend durch den Ort zu laufen und mit der Tochter von der Schule zum Eissalon zu gehen? Kaum möglich, argumentiert die Verteidigung. Die Anklage sieht dies anders und stützt sich dabei auf Telefon- und Computerdaten sowie Beobachtungen von Zeugen. dpa


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