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Die bei einer Kollision beschädigte Friesenbrücke im Morgengrauen.

Die bei einer Kollision beschädigte Friesenbrücke im Morgengrauen. © Lars Klemmer/Archiv

Unfälle

Brücke gerammt: Kapitän und Lotse für Unfall verantwortlich

Im Dunkeln rammt ein Frachter auf der Ems eine Eisenbahnbrücke und zerstört sie in ihren Grundfesten. Acht Monate später hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen. Sie nennt zwei mutmaßliche Schuldige. Sie sollen Geldstrafen bekommen.

Weener. Die Zerstörung der längsten deutschen Klappbrücke über die Ems bei Weener ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft auf das Fehlverhalten eines Lotsen und eines Kapitäns zurückzuführen. Der Unfall wäre laut Ermittlungsergebnis vermeidbar gewesen, teilte die Behörde am Freitag in Aurich mit. Gegen den 57 Jahre alten Lotsen und den 53 Jahre alten Kapitän sei Antrag auf Erlass eines Strafbefehls beim Amtsgericht Leer gestellt worden. Den beiden Beschuldigten werde Gefährdung des Schiffsverkehrs zur Last gelegt. Ein technischer Defekt an dem Schiff oder der Brücke sei auszuschließen. Das Gericht muss nun über den Erlass der Strafbefehle mit Verhängung einer Geldstrafe entscheiden.

Anfang Dezember hatte der Frachter "Emsmoon" die über 300 Meter lange Friesenbrücke gerammt. Seitdem ist der Bahnverkehr zwischen den Niederlanden und Ostfriesland unterbrochen. Neben den Gleisen gibt es auch einen Fußgänger- und Radweg. Wenn größere Schiffe die Brücke passieren, wird das Mittelteil der Stahlkonstruktion hochgeklappt. Der Frachter war in die noch geschlossene Brücke gekracht und hatte auch die Fundamente der Brücke verschoben.

Die Staatsanwaltschaft wirf dem Kapitän vor, entgegen den Vorschriften dem Lotsen das Steuer überlassen zu haben. Zudem soll er pflichtwidrig weder einen Ausguck noch eine Radarbeobachtung eingesetzt haben. Der Lotse wiederum hätte das Schiff nicht führen dürfen. Auch habe er beim Brückenwärter die Ankunft des Schiffes zwar angekündigt, aber nicht auf die erforderliche Durchfahrtserlaubnis gewartet. "Der Loste hat weiter auf die Brücke zugehalten", sagte Oberstaatsanwältin Katja Paulke.

Wie es mit der kaputten Brücke weitergeht, ist noch unklar. Die Untersuchungen liefen noch, sagte ein Bahnsprecher. Ergebnisse sollen im September vorliegen. Erst dann werde entschieden, ob eine Reparatur oder ein Neubau erfolge. Rund fünf Jahre dauere die Instandsetzung bei Kosten von geschätzten 30 Millionen Euro, sagte der Sprecher. Ein Neubau koste rund 70 Millionen Euro bei einer Bauzeit von neun Jahren.

Der Zugverkehr soll laut Bahn ab Dezember zumindest wieder bis zur Station Weener fließen. Die Züge pendeln dann von dem niedersächsischen Grenzort ins niederländische Groningen, zwischen Weener und Leer fahren Busse. Seit dem Brückenunfall wenden die Züge bereits im niederländischen Bad Nieuweschans und fahren nicht mehr über die Grenze.

dpa


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