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Michael Pientka

Michael Pientka© Rebecca Krizak

Affäre

Braunschweig: Polizeipräsident räumt Fehler ein

Im Fall des abgelösten Wolfsburger Polizeichefs, Hans-Ulrich Podehl (60), überschlagen sich die Ereignisse.

Braunschweig. Der Braunschweiger Polizeipräsident Michael Pientka hat am Freitag im Umgang mit der Causa Podehl Fehler eingeräumt. Er habe die „Gesamtumstände“ falsch bewertet. Das führte dazu, dass der 60-Jährige vorerst auf seinem Posten in Wolfsburg bleiben durfte. Die Kripo-Chefin der Dienststelle hatte Podehl angezeigt (NP berichtete). Nach NP-Informationen soll Podehl die junge Frau über Wochen gestalkt haben. Angeblich habe er sie mit Anrufen und Mails bombardiert und belästigt.

Pientka erklärte Freitag, dass er erstmals am 8. Juni von einem möglichen Fehlverhalten Podehls durch die Kriminalrätin erfahren habe. Der Polizeipräsident gestand ein, er hätte zu diesem Zeitpunkt ein Disziplinarverfahren gegen den 60-Jährigen einleiten und ihn freistellen müssen. Doch das passierte nicht. Deshalb wechselte das mutmaßliche Opfer - auf eigenen Wunsch - nach Braunschweig in den Behördenstab.

Erst am 27. Juli leitete Pientka disziplinarische Maßnahmen gegen Podehl ein. Tags darauf musste der Wolfsburger Polizeichef den Sessel räumen. Folge: Der Fall kam an die Öffentlichkeit. Am 29. Juli gab das Innenministerium bekannt, dass nun auch gegen Pientka ein Disziplinarverfahren in Gang gesetzt wurde.

Mit seiner Flucht nach vorn bemühte sich Pientka um Schadensbegrenzung. Auch dem Innenministerium kommt in der Affäre eine Schlüsselrolle zu. Mit einem katastrophalen Krisenmanagement und vagen Andeutungen zum angeblichen Schutz der Beteiligten, befeuerte das Ministerium Spekulationen in manchen Medien. Das führte dazu, dass in einigen Berichten sogar über ein Fehlverhalten der namentlich genannten Kriminalrätin spekuliert wurde. Dafür entschuldigte sich Pientka am Freitag. Er habe der Beamtin inzwischen einen Brief geschrieben, will sich mit ihr persönlich treffen und hofft, dass sie auf ihren Posten in Wolfsburg zurückkehren möchte. Zurzeit ist sie im Ministerium eingesetzt.

Podehl ist zum ZPD in Hannover abgeordnet. Die Vorwürfe gegen ihn werden zurzeit von der Staatsanwaltschaft Braunschweig geprüft. Sein mögliches Fehlverhalten gegenüber der Kripo-Chefin könnte nur das Sahnehäubchen seines seit Jahren in der Dienststelle bekannten Auftretens gegenüber jungen Mitarbeiterinnen sein. Von Umarmungen und Anzüglichkeiten bis hin zu unsittlichen Berührungen ist da die Rede. Bislang hat es aber niemand gewagt, dies zu unterbinden.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter und die Deutsche Polizeigewerkschaft üben Kritik an der Krisenbewältigung des Ministeriums. Die Berufsverbände fordern, „dass sich endlich Innenminister Pistorius in diese für alle Beteiligten unseligen Angelegenheit mit einem klaren Machtwort einschaltet“.

Britta Mahrholz


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