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Demonstration für Toleranz: Salzehmmendorfer demonstrierten gestern gegen Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit. Foto: dpa

Salzhemmendorf

Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: Drei Festnahmen

Schneller Fahndungserfolg. In Salzhemmendorf (Kreis Hameln-Pyrmont) durchschlug in der Nacht zu Freitag ein Brandsatz das Fenster einer Asylbewerber-Wohnung. Gestern Nachmittag, schon ein paar Stunden später, wurden die Täter geschnappt. Zwei Männer und eine Frau wurden festgenommen.

Von Petra Rückerl

SALZHEMMENDORF. Gegen 2 Uhr früh flog der Molotowcocktail durch ein geschlossenes Fenster in die Wohnung in der ehemaligen Schule. Eine 34-Jährige
aus Simbabwe und ihre drei kleinen Kinder, die in einem Nebenraum schliefen, blieben unverletzt. Ein Teppich und eine Matratze gerieten in Brand. In dem Gebäude leben mehr als 30 Flüchtlinge.

Einer der beiden festgenommenen Männer gestand die Tat, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker,. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.  Über die Haftbefehle der anderen beiden werde heute entschieden. Es handele sich um zwei 24- und 30-jährige Männer aus dem Ort sowie um eine 23-Jährige aus der Region Hannover, erklärte Polizeisprecher Jens Petersen NDR.de. „Die beiden Männer sind der Polizei bereits bekannt.“ Der jüngere der beiden sei zudem wegen politisch motivierter Taten aufgefallen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war gleich am Morgen von Hannover nach Salzhemmendorf gefahren und traf sich mit der Familie. Weil: „Um es klar zu sagen: Das war versuchter Mord.“ Der Regierungschef selbst war es, der am Abend die Öffentlichkeit über die Festnahmen informierte. Zuvor sagte er, er hoffe, dass die  Ermittler die Täter schnell fassen und „sie einer wirklich harten Bestrafung zuführen“. Weil betonte, dass Gewalttaten von Ausländerfeinden und Rechtsextremisten in Niedersachsen entschieden begegnet werde: „Wir stehen zu einem weltoffenen Deutschland. Das lassen wir uns nicht kaputtmachen.“
Nach dem Anschlag in dem Ort mit 9350 Einwohnern wurde die betroffene Flüchtlingsfamilie in einer anderen Unterkunft untergebracht und psychologisch betreut. Am Nachmittag sagte der örtliche Grünen-Ratsherr Karsten Appold, er werde die 34-jährige Mutter und ihre vier, zehn und elf Jahre alten Kinder bis auf weiteres bei sich aufnehmen. Es könne nicht angehen, dass die Familie jetzt in eine leere Wohnung müsse.
Salzhemmendorfs Bürgermeister Clemens Pommerening verurteilte die Tat. „Ich bin völlig fassungslos, niemand hätte sich vorstellen können, dass bei uns so etwas passiert“, sagte der parteilose Politiker, „bei uns herrscht gelebte Willkommenskultur.“ Landrat Tjark Bartels (SPD) hatte für den Abend zu einer Demonstration am Anschlagsort aufgerufen. Etwa 2000 Menschen folgten dem Aufruf.


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