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Wolfgang Beck.© dpa

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NP-Interview

„Bischöfe sind Regierung, Gesetz und Richter“

„Bischöfe müssen kontrolliert werden“, fordert Juniorprofessor Wolfgang Beck von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Beck ist bekannt vom „Wort zum Sonntag“. Bis zum Sommer war er Pfarrer in Linden.

Der Missbrauchsfall, der dem verstorbenen Bischof Janssen vorgeworfen wird, liegt etwa 50 Jahre zurück. Ihre Reaktion?

Ein Schock. Es ist das erste Mal, dass es solche Vorwürfe in Deutschland gegen einen Bischof gibt. Und Janssen hat im Bistum Hildesheim Kultstatus. Er hat viele Kirchenneubauten angeschoben, er steht für Aufbruch und Neuanfang nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Ich hoffe, dass der amtierende Bischof Norbert Trelle sich noch persönlich dazu äußern wird, ein Brief erscheint sicher vielen nicht als ausreichend. Es hat ja nicht nur den einen Fall im Bistum gegeben.

2010 und 2011 sind zahlreiche Missbrauchsfälle bekannt geworden, seitdem schien das Thema abgearbeitet.

Die Katholische Kirche ist wohl die Institution in Deutschland, die seitdem am meisten für Vorbeugung getan hat, etwa mit Kursen für Mitarbeiter, das muss man ausdrücklich würdigen. Aber: Das Grundproblem ist, dass die Strukturen, die Kindesmissbrauch und andere Skandale begünstigen, bis heute nicht verändert sind. Die entscheidenden Fragen werden bis heute auch im Bistum Hildesheim nicht gestellt.

Das heißt?

Wir haben in den höheren Ebenen immer noch ausgeprägten Klerikalismus. Bischöfe sind die Regierung, das Gesetz und der Richter. Sie werden nicht wirklich kontrolliert. Und früher galt dann: Wenn da ein Kind missbraucht wird, traut es sich vielleicht nicht aufzumucken, weil ein alter Mann gottgleich auftritt. Auch heute müssen Bischöfe sich kaum rechtfertigen, weder für den Umgang mit Geld noch für Personalentscheidungen. Auch die Kontrolle der Arbeit der Priester in den Gemeinden funktioniert nicht. Wenn die keine goldenen Löffel klauen, können sie machen, was sie wollen.

Wie kann dieser Geist verschwinden?

Wir brauchen endlich eine unabhängige Kontrolle auch für die hohe Geistlichkeit. Ab Domkapitularen aufwärts, auch für den Bischof. Wie das auch Kardinal Marx aus München fordert.

Wie soll das aussehen?

Die Lösung habe ich nicht in der Tasche. Aber es muss darüber diskutiert werden. In den USA gibt es anonyme Befragungen der Gemeindeglieder, um die Qualität der Arbeit sicherzustellen. Papst Franziskus spricht davon, dass wir auf allen ebenen Kontrolle durch Synoden brauchen, also frei gewählte Gremien. Die deutschen Bischöfe, die sonst sehr auf Rom hören, sind da faktisch sehr zurückhaltend.

Im Zusammenhang mit Missbrauch wird immer wieder über das Zölibat diskutiert. Was denken Sie?

Der direkte Bezug zum Zölibat ist zu einfach. Aber es gilt schon: In der Vergangenheit hat der Priesterberuf wohl wie ein Magnet auf Menschen gewirkt, die mit der Ehe zwischen Mann und Frau nichts anfangen können, auch für Pädophile war er attraktiv. Es gibt sicher noch solche Männer in der Kirche. Allerdings hat sich nach 2010 doch etwas verändert. Es dürfte kaum einen Bereich in der Gesellschaft geben, in dem Kinder und Jugendliche effektiver geschützt sind, als in der katholischen Kirche. Das darf aber nicht der Grund sein, sich bei Reformen zurückzulehnen.


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