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Beluga-Prozess: Exorbitante Zielrendite und Scheinumsätze

Wenn es um Investments geht, dann legen Hegdefonds harte Bandagen an. Ziel Nummer eins: Rendite. Bei Beluga war das nicht anders. Nur brachte die Reederei sich auch selbst auf Schlingerkurs.

Bremen. Der US-Hedgefonds Oaktree hat den Rauswurf von Ex-Beluga-Chef Niels Stolberg aus seinem Unternehmen im Jahr 2011 als folgerichtig beschrieben. Wenn jemand Unterlagen fälsche, sei es unabdingbar, dass man ihm die "Eingriffsfähigkeit" nehme, sagte Oaktree-Deutschlandchef Hermann Dambach im Beluga-Prozess am Landgericht Bremen. "Insofern ist es normal, dass Sie jemanden bitten, das Haus zu verlassen."

Oaktree war 2010 bei der Schwergutreederei Beluga eingestiegen. 2011 kam das Zerwürfnis mit Stolberg, weil er Oaktree unter anderem durch Scheinumsätze fingierte Bilanzen vorgelegt hatte. Es gab zudem Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungslegung für Schiffsneubauten und Treibstofflagerung. "Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir das Investment nicht durchgeführt", sagte der 51 Jahre alte Manager am Dienstag. 2011 ging Beluga in die Insolvenz.

Oaktree war an Rendite interessiert, wollte nach fünf bis sechs Jahren mit Gewinn bei Beluga aussteigen. Die Renditeerwartung lag einem Investmentbericht zufolge zunächst bei rund 30 Prozent im Jahr, was laut Dambach bei einem "Ideal-Szenario" zu erreichen gewesen wäre. Als Zielrendite wurde schließlich eine Marge von 20 Prozent pro Jahr festgelegt.

Oaktree engagierte sich bei Beluga mit insgesamt rund 175 Millionen Euro. Dabei handelte sich vor allem um Darlehen, aber auch um den Kauf von 37,5 Prozent der Anteile für 9,5 Millionen Euro. Die Rendite sollte sowohl über Zinsen als auch den erhofften Anstieg bei den Anteilswerten beim Wiederverkauf erzielt werden. Als Ende 2010 der Finanzierungsbedarf immer höher wurde, ließ Oaktree erneut prüfen. Erst durch einen Informanten habe man festgestellt, "betrogen" worden zu sein.

Aus der Sicht Stolbergs musste Oaktree aber schon früher über die Unregelmäßigkeiten informiert gewesen sein. Er hatte im Januar in seiner Einlassung vor Gericht erklärt: "Ich glaube (..), dass Oaktree erkannt hat, dass vieles nicht mit rechten Dingen zuging und von Anfang vorhatte, dieses Wissen gegebenenfalls auszunutzen, um die vollständige Kontrolle über das Unternehmen zu bekommen."

Die Investition wurde von Oaktree damals als lohnend angesehen. Beluga mangelte es nur an Eigenkapital. Dem Unternehmen wurde aber zugetraut, wieder Fuß zu fassen. Die Schiffsflotte, das Neubauprogramm, Management und auch der Kundenstamm - alles wurde auf Herz und Nieren geprüft. Anders als viele Containerreedereien hatte das auf Schwerguttransporte spezialisierte Unternehmen 2008 noch gut und auch 2009 noch stabil dagestanden. Allerdings waren dies die letzten beiden guten Jahre für Beluga.

dpa


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