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Halbes Jahr u-Haft: Der 45-Jährige ist nicht der Täter.

Halbes Jahr u-Haft: Der 45-Jährige ist nicht der Täter.
© Foto: Stein

Prozess

Beim 2. Mal ging es leichter

Sensationelle Wende im „Lovemobil-Prozess“: Ein Hinweisgeber entlastete nicht nur den Angeklagten (45), sondern bezichtigte den neuen Beschuldigen Martin H. (29) eines zweiten Mordes. H. habe ihm die Ermordung einer Prostituierten in Vorsfelde (Wolfsburg) gestanden. Eindeutige Spuren im „Lovemobil“ machen Martin H. dringend tatverdächtig. Er sitzt in U-Haft.

hildesheim. Ist Martin H. (29) ein Doppelmörder? Das hat zumindest gestern ein ehemaliger Freund behauptet. Der Zeuge (41) bezichtigte H. am 4. November 2016 die Prostituierte „Sissy“ (40) erwürgt zu haben. Sie empfing ihre Freier an der B 494 bei Peine.

Etwa eine Woche später habe der Kumpel zum Zeugen gesagt: „Beim zweiten Mal ging es leichter.“ Damit sei die Prostituierte aus Vorsfelde (Wolfsburg) gemeint gewesen. Die 33-Jährige wurde in ihrem Wohnungsbordell am 11. November ermordet. Ob es sich bei den Taten um denselben Täter handle, werde jetzt geprüft, verlautete aus Ermittlerkreisen.

Das ist eine erneute Wendung in dem ohnehin schon ereignisreichen „Lovemobil-Prozess“. Denn für die Tötung an „Sissy“ sollte eigentlich ein Ingenieur (45) verantwortlich sein. Seit 30. Mai muss er sich wegen Totschlags vor der Schwurgerichtskammer in Hildesheim verantworten. Fast ein halbes Jahr saß er in U-Haft. Der 45-Jährige war der letzte Freier von „Sissy“. Zunächst galt er als Zeuge. Dann verwickelte er sich in Widersprüche und offenbarte Täterwissen.

Nächste Woche wird er freigesprochen werden. Und das verdankt er dem Zeugen (41). Der inhaftierte Betrüger ließ einen anonymen Brief schrieben. Darin wurde Martin H. als Täter bezichtigt. Der Zeuge war dabei als „Sissy“ am 4. November ihr Leben verlor. Während sein Kumpel im Lovemobil verschwand, wartete er draußen. „Ich hörte ein Schreien, und das Wohnmobil wackelte stark, aber nicht wie üblich.“ Mit stockender Stimme erzählte er gestern, wie Martin H. mit dem Fuß auf der Kehle der Frau da stand. Sie war wohl schon tot.

Inzwischen war der Ingenieur zurückgekehrt. Er vermisste sein Portemonnaie. Doch Martin H. ließ ihn nicht ins Lovemobil. Der Zeuge versuchte ihn loszuwerden. „Damit ihm nicht dasselbe passiert wie der Prostituierten“, so der Zeuge. Warum er nicht die Polizei alarmiert habe, wollte Richter Peter Peschka von H.`s Kumpel wissen. „Denk an Deinen Sohn und Deine Familie“, habe Martin H. ihm gedroht. Also schwieg der Kumpel, bis der Prozess los ging. Seine Aussage passt zur Spurenlage. Vor dem Lovemobil fand die Polizei eine Kippe mit seiner DNA.

Doch es ist nicht nur die Aussage, die Martin H. belastet. Unter den Fingernägeln des Opfers klebt sein Erbmaterial. „Ich kann mir das nicht erklären“, sagte der Beschuldigte gestern aus. Er ist größer als 1,90 Meter und dick. Sein kahlrasierter Schädel unterstreicht seine dumpf-brutale Ausstrahlung. Mit der Tötung von „Sissy“ habe er nichts zu tun.

Aber warum musste sie sterben? Der Zeuge meint, Geld sei das Motiv für Martin H. gewesen. Der Täter stahl der Hure zwei Geldbörsen mit 1000 Euro.

Von thomas nagel


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