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Blick auf den Eingang des Hauptsitzes der Schaeffler GmbH.

Blick auf den Eingang des Hauptsitzes der Schaeffler GmbH. © Daniel Karmann/Archiv

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Autozulieferer Schaeffler geht an die Börse

Seit der Beteiligung an Conti ächzt der Autozulieferer Schaeffler unter einer milliardenschweren Schuldenlast. Ein Börsengang soll jetzt den Befreiungsschlag bringen.

Herzogenaurach. Der Autozulieferer Schaeffler macht mit seinen Börsenplänen ernst. Vom fünften Oktober an sollen rund 25 Prozent der Anteile am Familienunternehmen frei gehandelt werden, wie der Konzern am Montag in Herzogenaurach mitteilte. Die Nettoerlöse werden auf rund drei Milliarden Euro geschätzt, der Konzern selbst machte dazu keine Angaben. Dafür trennt sich die Familie Schaeffler als bisheriger Alleineigentümer von bis zu 100 Millionen Vorzugsaktien.

Zudem ist die Ausgabe von 66 Millionen neuen Anteilsscheine geplant, ebenfalls als Vorzugaktien, mit denen das Kapital des Unternehmens erhöht und die Schulden gesenkt werden. Die Papiere werden zunächst nur unter institutionellen Anlegern verteilt.

Den Aktionären will Schaeffler künftig 25 bis 35 Prozent des Jahresüberschusses als Dividende auszahlen. Die erste Ausschüttung soll es bereits für dieses Jahr geben. Der Börsengang sei ein Meilenstein in der Geschichte, sagte Aufsichtsratschef Georg Schaeffler. Damit werde der letzte Baustein der Neuausrichtung des Konzerns gesetzt.

Schaeffler hat sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit der Beteiligung am Konkurrenten Continental finanziell übernommen. Danach ächzte das Unternehmen unter bedrohlich hohen Schulden. Doch dem früheren Dresdner-Bank-Vorstand und heutigem Vorstandschef Klaus Rosenfeld gelang es, die Finanzen neu zu ordnen und alte Schulden zu besseren Konditionen abzulösen.

Die Eigentümerfamilie gilt inzwischen als eine der reichsten in Deutschland. Nach Angaben eines Firmensprechers lastet auf der Schaeffler AG ein Schuldenberg von 6,2 Milliarden Euro, die Schulden der Schaeffler-Holding, also der Dachgesellschaft, bezifferte er am Montag mit 3,6 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr 2015 hatte Schaeffler vom guten Geschäft mit der Automobilindustrie profitiert. Der Gesamtumsatz kletterte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 12,4 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte wären die Erlöse allerdings nur um 4,9 Prozent gestiegen. Unterm Strich blieben als Gewinn 309 Millionen Euro übrig, das waren 99 Millionen Euro mehr als im ersten Halbjahr 2014.

In den vergangenen Monaten trübte sich das Geschäftsklima für den Konzern aber wegen der China-Schwäche etwas ab. Im Gesamtjahr rechnet der Vorstand nun nur noch mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von vier bis fünf Prozent. Die Profitabilität solle auf dem Niveau des ersten Halbjahres bleiben. "Trotz der leichten Abschwächung in den Sommermonaten sind wir auf einem guten Weg, unser Geschäft auch in diesem Jahr weiter auszubauen und so unseren langfristigen, profitablen Wachstumskurs fortzusetzen", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld in der Mitteilung.

"Die Schaeffler Gruppe bleibt auch zukünftig ein Familienunternehmen", erklärte Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann. "Als Gesellschafter übernehmen wir unverändert Verantwortung, damit sich unsere Unternehmensgruppe im Interesse unserer Kunden, Lieferanten und unserer vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich weiterentwickelt." Der Konzern hat rund 84 000 Mitarbeiter.

Die nun vor der Erstnotiz an der Börse stehende AG will ihre Verbindlichkeiten bis 2018 um eine weitere Milliarde Euro neben den Einnahmen aus dem Börsengang drücken. Die übergeordnete Holding hat 3,6 Milliarden Euro Schulden. Für die nach dem Börsengang noch offenen Verbindlichkeiten ist bereits ein Refinanzierungspaket aus Bankkrediten und Kreditlinien geschnürt. Künftig ist zudem die Ausgabe von Anleihen durch die Holding geplant.

dpa


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