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Ein Justizmitarbeiter steht im Gerichtssaal in Lüneburg.

Ein Justizmitarbeiter steht im Gerichtssaal in Lüneburg. © Philipp Schulze

Prozesse

Auschwitz-Prozess: Kürzere Gerichtstage

Im Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Lüneburg werden die Verhandlungstage wegen der angegriffenen Gesundheit des Angeklagten verkürzt. Künftig soll täglich höchstens drei Stunden verhandelt werden, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag, nachdem ein vom Gericht beauftragter Mediziner den 93 Jahre alten Angeklagten Oskar Gröning untersucht hatte.

Lüneburg. Nach Einschätzung des Arztes ist der ehemalige SS-Mann mit Einschränkungen verhandlungsfähig. Gröning wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vorgeworfen.

Der Prozess war am vergangenen Donnerstag unterbrochen worden, nachdem der Angeklagte nicht erschienen war. "Herr Gröning war an einem Infekt erkrankt nebst einem akuten Schwächezustand", erklärte der Richter.

Am Dienstag sagten drei Holocaust-Überlebende und die nach dem Krieg geborene Henriette Beck aus. Ihr Vater war aus Ungarn zunächst nach Auschwitz verschleppt worden. Von den Verwandten des Vaters habe kaum jemand überlebt, berichtete die Nebenklägerin. Seine erste Ehefrau und die fünf Jahre alte Tochter wurden in Auschwitz ermordet. "Diese Schattenfamilie hat mich immer begleitet", sagte die 58-Jährige.

Die Auschwitz-Überlebende Kathleen Zahavi aus Toronto schilderte die furchtbaren Zustände bei der Deportation aus Ungarn und in Auschwitz-Birkenau. Sie berichtete, wie sie an der Rampe von ihrer Mutter und der Tante getrennt wurde - für immer. Sie habe mehr als 100 Familienmitglieder im Holocaust verloren, sagte die 86-Jährige in ihrer Aussage auf Englisch. Nur sie selbst und eine ihrer Schwestern überlebten.

Zum Schluss richtete Zahavi sich direkt an den Angeklagten. "Herr Gröning, Sie haben gesagt, dass Sie moralisch verantwortlich sind. Das ist nicht genug", hielt sie dem 93-Jährigen vor. Gröning habe als junger Mann eine schwere Bürde auf sich genommen, freiwillig. Er sei ein Teil des Schreckens gewesen. "Ich hoffe sehr, dass Sie diese schrecklichen Bilder den Rest Ihres Lebens verfolgen werden." Ihre Eltern hätten nicht so alt werden dürfen wie Gröning, sagte Zahavi unter Tränen. Sie könne niemals vergessen und niemals vergeben.

Nur Dank einer Lüge überlebte Ivor Perl als Zwölfjähriger das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Von Häftlingen zuvor gewarnt gab er sich an der Rampe als 16-Jähriger aus, Jüngere wurden sofort getötet. Von der Familie überlebte außer ihm nur ein Bruder. Er habe erst nicht nach Deutschland kommen wollen, sagte der 83-Jährige, der heute in einem Vorort von London lebt. Er habe furchtbare Angst gehabt - umsonst, wie er jetzt finde. "Ich sehe jemanden, der mir leid tut", sagte Perl mit Blick auf den Angeklagten.

dpa


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