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Der Angeklagte Ziad K. (r) sitzt neben seinem Verteidiger Steffen Stern (l).

Der Angeklagte Ziad K. (r) sitzt neben seinem Verteidiger Steffen Stern (l). © P. Schulze/Archiv

Prozesse

Anklage im Lüneburger Doppelmord-Prozess fordert lebenslang

Seine Frau wollte ihn verlassen und zum christlichen Glauben übertreten: Deshalb soll ein Jeside in Lüneburg die 32-Jährige und ihre Freundin erstochen haben. Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern die Höchststrafe für den Mann.

Lüneburg. Im Lüneburger Prozess um den gewaltsamen Tod einer Frau und deren Freundin hat die Staatsanwaltschaft für den Ehemann lebenslange Haft wegen zweifachen Mordes gefordert. Darüber hinaus solle das Landgericht eine besondere Schwere der Schuld feststellen, verlangte die Anklage am Freitag. Nach ihrer Auffassung hatte der Jeside zugestochen, weil seine 32 Jahre alte Frau ihn verlassen und Christin werden wollte. Die ein Jahr ältere Freundin, Mitglied einer Freikirche, habe er dafür mitverantwortlich gemacht.

Der Angeklagte habe in der Wohnung des Ehepaares erst die Freundin und dann seine Frau getötet, zeigte sich Oberstaatsanwalt Jochen Kaup überzeugt. Ursprünglich habe der Mann nur die Bekannte töten wollen. Seine Ehefrau werde danach aus Angst Jesidin bleiben und ihn nicht verlassen, habe er sich erhofft. "Er befürchtete eine Trennung und den Verlust der Kinder", sagte Kaup.

Mit einem Küchenmesser habe der Angeklagte zunächst die Freundin getötet. Als die zunächst im Badezimmer eingeschlossene Ehefrau laut um Hilfe schrie, habe er auch auf sie eingestochen, um nicht entdeckt zu werden. Insgesamt wurden bei den Opfern rund 40 Stiche gezählt.

Der Angeklagte hatte in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung gestanden, die Frauen erstochen zu haben, eine geplante Tat aber bestritten. Er sei unter Druck gesetzt worden, den christlichen Glauben anzunehmen. Jesidentum sei Teufelsanbeterei, habe seine Frau gesagt.

Auch die Freundin habe Jesiden als "Gottlose" bezeichnet. Die beiden hätten ihn vor die Tür setzen und ihm so auch die Kinder nehmen wollen. So sei es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem er zugestochen habe. Das nannte der Staatsanwalt allerdings "wenig glaubwürdig". So habe sich der Angeklagte anders als behauptet nach Zeugenaussagen durchaus schon früher gewalttätig gegenüber Frau und Kindern gezeigt. Auch sei die Freundin als tolerant gegenüber anderen Kulturkreisen bekannt gewesen und habe eine Spendenaktion für Jesiden im Irak organisiert.

Die von Nachbarn nach der Tat am 4. Januar alarmierte Polizei öffnete die Wohnung. Die Ehefrau lag im Sterben, ihre Freundin war bereits tot. Die Haustür war abgeschlossen, Telefone unbrauchbar gemacht. Nach dem Ehemann wurde wochenlang europaweit gesucht, dann wurde er in Hamburg verhaftet. Sein Alter wurde zu Prozessbeginn mit 31 Jahren angegeben. Bei der Flucht aus dem Irak sei das Geburtsdatum aber geändert worden, hieß es im Mai. Danach wäre er bereits 38 Jahre alt.

Obwohl neun Monate vergangen seien, leide die Familie unverändert weiter, erklärte eine Schwester der Ehefrau am Freitag unter Tränen. Die drei Kinder des kurdisch-jesidischen Ehepaares waren bei der Tat acht, neun und elf Jahre alt, die getötete Freundin hinterlässt zwei Töchter.

Die Verteidigung wird voraussichtlich am kommenden Donnerstag plädieren, dann könnte auch bereits das Urteil fallen. Sollte die Kammer bei einer Verurteilung eine besondere Schwere der Schuld feststellen, wäre eine Freilassung schon nach 15 Jahren nur in Ausnahmefällen möglich, etwa bei schwerer Krankheit. Auch die vier Nebenkläger-Anwälte schlossen sich am Freitag der Forderung an.

dpa


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