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Kultusminister Bernd Althusmann

Kultusminister Bernd Althusmann© dpa

Interview

Althusmann: „Schulverbünde können erfolgreich sein“

Kultusminister Bernd Althusmann setzt im HAZ-Interview auf die engere Verzahnung von Haupt- und Realschulen.

Sie haben erklärt, den Schulträgern mehr Freiheiten zu geben. Welche Aufgaben könnten künftig von den Gemeinden und Kreisen eigenständig und großzügiger entschieden werden?

Wir erleben im Land bis 2020 einen dramatischen Rückgang der Schülerzahlen, der in einigen Regionen zwischen 25 und 40 Prozent beträgt. Dies wird Konsequenzen haben für die Schulentwicklung in den Kommunen. Zwar haben wir die verpflichtende Schulentwicklungsplanung abgeschafft, dennoch erwägen wir, die Zusammenfassung von sehr kleinen Haupt- und Realschulen zu erleichtern. Künftig kann es in Ausnahmefällen reichen, wenn es in jedem Schulzweig je Jahrgang eine Klasse gibt, bislang war die Dreizügigkeit Voraussetzung. Die Entscheidungen hierzu sind noch nicht getroffen. Dies ist ein Angebot an die Kommunen, Schulen können dies bis zum 1. Juni beantragen. Rund 200 zusammengefasste Haupt- und Realschulen haben wir aber jetzt schon im Land.

Und was ändert sich?

Für die inhaltliche Zusammenarbeit sind die Erlasse jetzt in Kraft. Künftig werden die Kinder in Ausnahmefällen auch in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik gemeinsam unterrichtet werden können – aber nur dann, wenn wegen der geringen Schülerzahl jahrgangsübergreifender Unterricht vermieden werden kann. Seit 2004 sind sieben Prozent der Hauptschulen geschlossen worden, und die mangelnde Nachfrage bleibt eine Herausforderung – durchschnittlich nur 13 Prozent der Schüler eines Jahrgangs werden auf die Hauptschule geschickt, in manchen Städten sind es sogar nur noch rund sechs Prozent. Wichtig ist für mich aber auch, dass bewährte gute Modelle bestehen bleiben, etwa dort, wo beispielsweise mehrzügige Hauptschulen gute Arbeit leisten.

Gegen die geplante Kürzung des Kunst- und Musikunterrichts an Realschulen hatte es Protest gegeben...

Darauf gehen wir ein. Bisher sollte im musisch-kulturellen Bereich an Realschulen in den Jahrgängen 5 bis 10 von insgesamt 16 auf 10 Stunden gekürzt werden. Wir legen jetzt 13 Stunden fest. Die musisch-kulturelle Bildung in den Hauptschulen sollte dagegen von sieben auf zehn Stunden ausgeweitet werden – wir peilen nun elf Stunden an. Ein vertretbarer Kompromiss.

Die Kommunalverbände fordern, dass die strengen Vorgaben für neue Gesamtschulen gelockert werden sollen. Gehen Sie darauf ein?

Die Integrierten Gesamtschulen beanspruchen für sich selbst ein pädagogisches Konzept, das eine gemeinsame Beschulung von unterschiedlichen Lerngruppen vorsieht. Daher ist eine bestimmte Größe der Schule auch aus Sicht der IGS eine wichtige Voraussetzung. Im Moment sehe ich keine Notwendigkeit, an den Vorgaben für die Errichtung neuer IGS etwas zu ändern. Mit Ideologie hat das nichts zu tun. In den vergangenen Monaten wurden 32 neue Gesamtschulen genehmigt.

Manche Kommunen wandeln alle Grundschulen zu Ganztagsschulen um und schließen im Gegenzug ihre Horte, an deren Personalkosten das Land sich ja zu 20 Prozent beteiligt. Könnte man das Landesgeld nicht den neuen Ganztagsschulen zu Gute kommen lassen?

Bisher wurde das vom Kultusministerium kritisch gesehen. Wir prüfen aber ernsthaft, ob wir auf diese Vorschläge eingehen können. Wichtig ist es für uns auch, die Qualität unserer Ganztagsschulen – in Kürze werden wir rund 1150 davon landesweit haben – zu verbessern.

In vielen Gegenden sind Mini-Grundschulen schon die Wirklichkeit. Ist das pädagogisch sinnvoll, wenn nur wenige Lehrer zur Verfügung stehen und verschiedene Klassen gemeinsam unterrichtet werden müssen?

1840 Grundschulen haben wir, 725 davon haben je Jahrgang nicht mehr mindestens zwei Klassen. 66 Grundschulen kommen sogar nicht einmal auf eine Klasse pro Jahrgang, und die Zahl der Grundschüler wird weiter zurückgehen. Pädagogisch können etwas größere Grundschulen sinnvoll sein, weil die Unterrichtsversorgung besser sichergestellt werden kann. Eltern wollen aber auch eine wohnortnahe Versorgung. Der Nachteil ganz kleiner Grundschulen mit weniger als 180 Schülern ist, dass dort kein Konrektor mehr bestellt wird, der Schulleiter also niemanden zur Seite gestellt bekommt. Im nächsten Jahr will ich eine neue Arbeitszeitverordnung für die Schulleiter auf den Weg bringen, das kostet aber Geld und Stellen. Vielerorts wird schon erfolgreich auf Schulverbünde gesetzt, die etwa eine gemeinsame Leitung für mehrere Grundschulen bündeln. Gefordert sind aber die Kommunen, das Land kann nur Berater sein.

Prägen Sie einen neuen Stil der politischen Auseinandersetzung? Soll sich der Kontakt zu den Lehrer-Gewerkschaften ändern?

Ich habe bereits als Staatssekretär sehr gute Gespräche mit Lehrer-, Eltern und Schülerorganisationen geführt. Der Kontakt ist von Vertrauen und Akzeptanz geprägt. Darauf setze ich auch in Zukunft.

Interview: Saskia Döhner


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