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Delticom ist in 45 Ländern mit Onlineshops tätig.

Delticom ist in 45 Ländern mit Onlineshops tätig. © Sebastian Gollnow/Archiv

Auto

Aktionärskritik an Zukäufen von Reifenhändler Delticom

Der Online-Reifenhändler Delticom ist in den Lebensmittelhandel im Netz eingestiegen. Er glaubt, dass Verbraucher künftig statt in den Supermarkt ins Internet gehen, um Milch und Käse zu shoppen. Die Aktionäre sparen nicht mit Kritik - auch an den Umständen des Deals.

Hannover. Der Einstieg von Europas größtem Online- Reifenhändler Delticom in den Online-Lebensmittelhandel ist am Dienstag auf vehemente Aktionärskritik gestoßen. Der Vorstand habe die Beschlüsse nach Gutsherrenart getroffen, hieß es bei der gut sechsstündigen Hauptversammlung in Hannover. Zudem laufe die Gruppe Gefahr, sich zu verzetteln. Auch die Umstände der Zukäufe für 30 Millionen Euro wurden kritisch hinterfragt. Die Anteile gehörten einer Firma von Delticom-Chef Andreas Prüfer, die sie veräußerte.

Delticom hatte im Februar mitgeteilt, dass es 90 Prozent an der Gourmondo Food GmbH aus München und 100 Prozent an der ES Food GmbH aus Hannover übernimmt - dazu gehört auch ein 80-prozentiger Anteil an deren Tochter Ringway. Damit hatte sich der Reifenhändler im Lebensmitteleinkauf per Internet ein neues Standbein zugelegt. Die Firmen betreiben ein Dutzend Internetseiten, darunter lebensmittel.de.

Zudem unterhält ES Food ein Automatik-Lagersystem - ein Bereich, der auch für Delticoms Reifen- und Kfz-Teilehandel wichtig ist. 2016 rechnet Delticom im Food-Bereich bis zu 30 Millionen Euro Umsatz und zwei Millionen Euro Verlust. Ein Gewinn wird erst für 2017 angepeilt.

Delticom-Chef Prüfer verteidigte die Zukäufe mit Hinweis auf eine sich wandelnde Welt. Die mache auch vor dem Autogeschäft nicht Halt, so dass eine Diversifizierung der Angebotspalette Sinn mache.

Trotz eines verhaltenen Jahresauftakts hält Delticom an seiner Prognose für 2016 fest. Der Vorjahres-Gruppenumsatz von 559,8 Millionen Euro im Bereich Reifen und Autoteile soll auf 600 Millionen Euro gesteigert werden, kündigte das Unternehmen an. Das gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,6 Prozent gestiegene Vorsteuer-Ergebnis (EBITDA) von 14,3 Millionen Euro will Delticom-Chef Prüfer 2016 auf 18 Millionen steigern. "Das erste Quartal 2016 ist nicht besonders gut gelaufen", räumte er auf der Versammlung ein.

Der Start in die Sommerreifen-Saison habe sich 2016 auf Ende März verschoben. Prüfer: "Im April haben wir das aber aufgeholt und liegen beim Reifenabsatz bei 10 Prozent über dem Vorjahrswert." Konkrete Zahlen zum ersten Quartal werden am 13. Mai veröffentlicht.

Die in 45 Ländern mit Onlineshops tätige Delticom ist eine Gründung früherer Continental-Manager und macht rund 90 Prozent ihres Umsatzes im Reifengeschäft. 2015 reduzierte Delticom die Zahl der Mitarbeiter von 247 (2014) auf 129. Der Personalaufwand der Gruppe sank so um 40 Prozent von 15,6 Millionen Euro in 2014 auf 9,5 Millionen Euro.

Prüfer, der weitere Beteiligungen oder Übernahmen für die Zukunft nicht ausschloss, geht pro Jahr von Zuwächsen von 5 bis 10 Prozent im Reifengeschäft, 20 bis 50 Prozent im Autoteilehandel sowie 50 bis 100 Prozent im online-Lebensmittelbereich aus. Da die Expansion wenig Investitionen erfordere, stünden Kapitalerhöhungen mittelfristig nicht an. Delticom will unter anderem mit neuen Initiativen wie einer mobilen Reifenmontage bei Kunden punkten.

Die Integration des 2013 von Delticom übernommenen Berliner Konkurrenten Tirendo wurde erfolgreich abgeschlossen - seit Ende 2015 schreibt er Gewinne. Die Aktionäre bewilligten eine Verdopplung der Dividende von 2014 auf 50 Cent. Der Vorstand wurde entlastet.

dpa


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