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Die Milchpreise fallen weiter.

Die Milchpreise fallen weiter. © Sebastian Gollnow/Archiv

Landtag

Agrarausschuss sucht nach Weg aus der Milchkrise

Die Not der Milchbauern ist derzeit groß, eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Auf der Suche nach Lösungen streiten Experten in Hannover über neue Absatzmärkte und staatliche Eingriffe. Was kann getan werden für die betroffenen Landwirte in Niedersachsen?

Hannover. Angesichts der dramatischen Situation auf dem Milchmarkt hat der Agrarausschuss des Landtags in Niedersachsen mit Experten nach Lösungen für die betroffenen Bauern gesucht. Grund dafür ist unter anderem eine weltweit sinkende Nachfrage, die einem stetig wachsenden Angebot gegenübersteht. Die CDU-Fraktion forderte am Donnerstag unter anderem Hilfen zur Überbrückung aktueller finanzieller Engpässe und Bürgschaften durch das Land.

Ob solche Liquiditätshilfen für die Landwirte der richtige Ansatz sind, um die größte finanzielle Not vorübergehend zu lindern, war dabei umstritten. "Es gibt Betriebe, da verlängern finanzielle Hilfen nur das Sterben", sagte der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der bäuerlichen Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann. Aus seiner Sicht müssen Instrumente geschaffen werden, um die Produktion kontrolliert zurückfahren zu können.

Das hatte zuletzt auch der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) gefordert. Durch eine Deckelung der Milchmenge durch die EU könne die Milchproduktion um bis zu drei Prozent reduziert werden. Das entspricht nach Angaben des BDM der Höhe der problematischen Überproduktion.

Befürworter eines solchen staatlichen Eingriffs stoßen mit diesen Forderungen aber auf mächtige Gegner - dazu zählt das Deutsche Milchkontor (DMK), eines der größten Molkereiunternehmen des Landes. "Diese Diskussion führt doch gerade dazu, dass Milchbauern noch mehr produzieren, um für solche Maßnahmen gewappnet zu sein", sagte der DMK-Vorsitzende Thomas Stürtz im Ausschuss.

Der deutsche Markt müsse sich vielmehr selbst regulieren und könne dabei stärker auf Exporte setzen. Befürchtungen, dass dann Milchprodukte auf dem Weltmarkt zu Billigpreisen verramscht würden, wies Stürtz zurück. "Es geht darum, hochwertige Produkte zu entwickeln, die auf dem Weltmarkt auch entsprechende Preise erzielen." Das erfordere langfristige Investitionen. Eine finanzielle Unterstützung der Bauern für die Zeit dazwischen hielt auch er für sinnvoll.

Die Situation auf dem deutschen Milchmarkt ist paradox. Allein in Niedersachsen wird deutlich mehr Milch produziert als in ganz Deutschland konsumiert wird. Ein Großteil der Produktion geht deshalb zu niedrigen Preisen in Schwellenländer.

Auf der anderen Seite müssen hochwertigere Bioprodukte aus dem Ausland nach Deutschland importiert werden, weil die heimische Produktion die Nachfrage nicht deckt. Eine weitere Idee ist deshalb, dass heimische Milchbauern sich stärker auf diesen Bereich konzentrieren könnten - auch mit finanzieller Unterstützung der EU.

Experten warnten am Donnerstag aber angesichts des niedrigen Marktanteils von Biomilch in Deutschland auch vor diesem Ansatz. "Die Nachfrage in diesem Bereich ist immer noch nicht besonders hoch", sagte der Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Es sei nicht absehbar, welche Wertschöpfung sich durch Biolabel erzielen lasse.

dpa


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