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Das Landgericht in Aurich.

Das Landgericht in Aurich. © Carmen Jaspersen/Archiv

Prozesse

95-Jährige getötet: Anklage fordert hohe Haftstrafe

Brachte eine pflegebedürftige 95-jährige Frau sich selbst um oder wurde sie von ihrer Tochter getötet? Das hat das Landgericht in Aurich versucht, herauszufinden. Für die Anklage ist der Fall klar.

Aurich. Eine Frau aus Ostfriesland soll wegen des Todes ihrer pflegebedürftigen 95-jährigen Mutter neuneinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwältin ließ in ihrem Plädoyer im Landgericht Aurich am Donnerstag keinen Zweifel daran, dass sie die 63-Jährige für schuldig am Tod der alten Frau hält. Sie forderte eine Verurteilung wegen Totschlags und Körperverletzung.

Die Tochter habe das wehrlose Opfer nach einem Streit am 14. Juni zunächst massiv geschlagen und dann mit zusammengeknoteten Strumpfhosen an einem galgenartigen Haken des Pflegebettes erdrosselt, sagte die Staatsanwältin. Der Verteidiger der 63-Jährigen forderte dagegen einen Freispruch. Das Gericht will am Freitag das Urteil verkünden.

Die Tochter hatte nach der Tat zunächst behauptet, ihre Mutter habe sich schon früher mit Selbstmordgedanken getragen und sich nach einem heftigen Streit in der gemeinsamen Wohnung selbst getötet. Bei der Vernehmung hatte die Tochter schließlich das Verbrechen gestanden und gesagt: "Ich habe ihr Leben ausgelöscht und mein eigenes versaut."

Während des Prozesses widerrief die 63-Jährige ihr Geständnis jedoch. Sie habe ihre Mutter nur geschlagen, weil diese ständig an ihr herumgenörgelt habe. Nachdem beide morgens noch vor dem Frühstück Alkohol getrunken hätten, sei es zum Streit gekommen. Sie habe ihrer Mutter nicht länger zuhören wollen und am Computer gespielt, darauf habe die 95-Jährige mit einer Krücke auf sie eingeschlagen.

Die Tochter schlug nach eigener Aussage mehrmals mit der Faust zurück und verließ später das Haus. Bei ihrer Rückkehr habe sie die Mutter tot in ihrem Pflegebett entdeckt. Ein Gutachter hatte vor Gericht massive Verletzungen bei der Mutter aufgelistet, darunter Brüche des Zungenbeins und der Nase sowie Hämatome.

Die Staatsanwältin geht davon aus, dass die Tochter der Mutter die Strumpfhosen um den Hals knotete und sie vom Bett stieß. Weil das Opfer noch lebte, habe die Tochter sie zurück ins Bett gehoben und sie an den Füßen aus dem Bett gezogen. Das Opfer war an massiven Halsverletzungen gestorben.

Der Verteidiger betonte dagegen, es seien viele Fragen offen geblieben. Der Anwalt verwies unter anderem auf Aussagen eines Gutachters, wonach sowohl eine Tötung als auch ein Selbstmord denkbar seien. "Es gibt viele Zweifel. In der Summe könnte das Geschehen ganz anders gewesen sein." Er gehe von einem Suizid aus.

dpa


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