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Paragrafen-Symbole an Türgriffen. 

Paragrafen-Symbole an Türgriffen. © Oliver Berg/Archiv

Prozesse

74-Jährige vom Vorwurf des Kindesmords freigesprochen

Zu viele Jahre vergangen, zu wenig gesicherte Erkenntnisse, zu viele Zweifel: Der Indizienprozess gegen eine 74-jährige Mutter hat nicht klären können, was tatsächlich in jener Nacht vor 42 Jahren geschah, in der ihr Sohn starb.

Neuruppin/Schwedt. Eine 74 Jahre alte Mutter ist vom Landgericht Neuruppin vom Vorwurf des Kindesmords freigesprochen worden. Sie war angeklagt, in der Nacht zum 5. November 1974 in ihrer damaligen Wohnung in Schwedt (Uckermark) ihren Sohn mit Stadtgas vergiftet und ihn zum Sterben in sein Kinderbett gelegt zu haben. "Unsere Erkenntnisse reichten für eine Verurteilung nicht aus", erklärte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann am Donnerstag. Das Gericht habe alles Mögliche unternommen, um die "prozessuale Wahrheit" herauszufinden.

Mit ihrem Urteil gab die 1. Strafkammer der Forderung der Verteidigung statt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hatte hingegen auf heimtückischen Mord plädiert.

"Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Gas zum Kind kam oder das Kind zum Gas", betonte Lechtermann. "Wir wissen nicht, was in der Nacht tatsächlich passiert ist", unterstrich der Vorsitzende Richter. "Wir sehen uns schlicht nicht in der Lage, belastbare Indizien zu produzieren", betonte Lechtermann.

Staatsanwältin Anette Bargenda erklärte, dass sie die Argumentationskette des Gerichts genau prüfen werde. Erst danach werde die Anklagebehörde entscheiden, ob sie Revision gegen das Urteil einlegt.

"Die Kammer ist zu der richtigen Entscheidung gekommen. Was mich allerdings ärgerlich macht, ist, dass es überhaupt zu einer Anklage gekommen ist", betonte der Strafverteidiger der 74-Jährigen, Uwe Furmanek. Vor 40 Jahren habe sich schon einmal ein Staatsanwalt mit dem Fall befasst. "Die Ermittlungen sind damals eingestellt worden, weil niemand feststellen konnte, ob es ein Unglücksfall oder ein Verbrechen war", hob Furmanek hervor. 2009 hatte eine anonyme Anzeige den Fall noch einmal ins Rollen gebracht.

dpa


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